Das dritte Album dieser Slowaken ist gleich ein Doppeldecker geworden. Strippenzieher George Hasko bietet darauf ein angesichts eines solchen Umfangs notwendiges Potpourri aus Pop, Jazz und schlichten Songwriter-Stücken.
Zur Kategorie der letzteren gehören das wortreiche „Straky“ oder das wiegende „Strom Samotar“, gewissermaßen auch der akustischer Folker „Nepis Mi“. Leicht Psychedelisches wie das Duett „Z Jednej Strany Rozhlas“ oder der Antreiber „Kexikové Cokolády“ ist ebenfalls möglich, und auch Varieté-Funk wie „Postavim Ti Dom“, „Este Mám Cas“ oder das Slap-Fest „Poprad – Tatri“, das sich als Highlight der ersten Scheibe erweist, beherrscht das Ensemble ohne sein Gesicht zu verlieren.
In schnörkellosen Sanftrock-Songs wie „O Siestej Do Roboty“ (mit dunklem Sprechgesang) oder „Cerveny Pomaranc“ punkten die Musiker als Floskel-freie Combo. R'n'B-mäßig (im althergebrachten Sinn) tönen STO MÚCH während „Viera“ oder „Duhá Povedala Tretej“ und dem relaxten „Telefónny Hlavolam“. Irgendwo dazwischen schüren „Peklo / Chodci Náhodni“ und „Kominár“ mit ihrer ambivalenten Stimmung Erwartungen. Verstünde man doch bloß die Texte …
CD zwei ist insgesamt ruhiger ausgefallen, enthält aber die subjektiv schöneren Stücke, etwa das bluesige „Stúpa A Narastá“ mit harmonisiertem Gesang oder das flirrende „Rozlucky“. „V Tieni Slnecnikov“ ist ein selten jazziges Instrumental mit Klarinette, „Boze“ mit Vibrafon ähnlich gestrickt. Elegisch lässt man es mit „Hrusky z Lásky“, „Na Rohu Ulice“ oder dem Orgelstück „Len to Nie“ angehen, zumindest kontemplativ durch das schmachtend gesungenen „Mikrosvety“ (ein wenig schmalzig mit Streichersatz; gleiches gilt fürs Endstück „Nepis Mi“) und die schwebenden Ballade „Navzdy“.
STO MÚCH spielen durchweg kurze, wenig anstrengende Stücke. Allerdings muss man im Vergleich mit anderen Veröffentlichungen aus dem Label-Umfeld wie angedeutet sagen, dass sich ein Verständnis der Sprache hier wahrscheinlich positiv aufs Hören auswirken würde, denn aufgrund des Fokus der Musiker auf den Inhalten bleibt dem Nichtslowaken manches vorenthalten. Auch im Web macht die Gruppe keine Anstalten, Unbedarfte aufzuklären, was angesichts ihrer ansprechenden Lieder schade ist.
FAZIT: Die Sprachbarriere ist im Falle von STO MÚCH tatsächlich eine solche, denn ihre weitgefasste Musik, bei der gerade der Chamäleon-Duktus Identität stiftet, gewänne eventuell weit mehr, so sich die Slowaken international orientierten. Da dem nicht so ist, bleiben sie zwangsläufig Special Interest.
Punkte: 9/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 13.09.2012
Martin Huba
Peter Mankovecky, Sebastian Chrien
Stefan Tkác (Saxofon), Matej Bercík (Posaune), Martin Hanzely - (Klarinette), Dusan Ivan, Stanislav Joni (Geige), Júlia Gálová (Oboe)
Hev-Het Tune
53:09 + 45:33
25.03.2011