Wenn eine Underground-Metal-Band vier lange Jahre ohne neuen Tonträger bleibt, dann ist die Gefahr in der heutigen schnelllebigen Zeit nicht eben gering, dass man in Vergessenheit gerät. Wenn man zudem noch einen relativ austauschbaren Namen besitzt wie STORMRIDER, dann potenziert sich dieses Risiko deutlich. Um sich dann wieder zurückzumelden, sollte man schon ein amtliches Metalpaket geschnürt haben.
Womit wir mitten im Thema sind: Mit „The Path Of Salvation“ haben die Herner STORMRIDER nämlich ein eben solches fettes Päckchen geschnürt. Überwiegend im Uptempobereich angesiedelt, galoppieren die fünf US-Metal-Fans munter zwischen ICED EARTH und IRON MAIDEN her und machen ihre Sache dabei ausgesprochen gut. Das, was ICED EARTH seit Jahren ein wenig abgeht, nämlich halsbrecherisches Tempo und unwiderstehliche Dynamik, das packen die Ruhrpöttler scheinbar mühelos in ihre zehn Tracks, die sich auf einem ausgesprochen hohem Niveau bewegen, und zwar sowohl in punkto Melodien als auch in Sachen Härte.
Dass der Vergleich mit Jon Schaffer und Co. aufkommt, liegt zum einen an der Stimme von Sänger Stefan Hebes. Der erinnert in seinen besten Momenten in der Tat an den herausragenden ICED-EARTH-Frontmann, nämlich Matt Barlow. Hier und dort fehlt es Hebes allerdings an stimmlicher Konstanz und Variabilität, so dass ein gewisser Abstand zu Barlow fraglos gewahrt wird. Auch das Songwriting weist manche Parallele zu Floridas finest auf, nimmt ebenfalls deutlich hörbare europäische Einflüsse mit auf, die insbesondere in feinen Twin-Guitar-Attacken á la IRON MAIDEN gipfeln. Und dass der Name STORMRIDER in einem nicht allzu abstrakten Zusammenhang mit ICED EARTH steht, muss Kennern der Diskografie der US-Power-Metaller nicht extra angezeigt werden. Dass auf „Path Of Salvation“ auch noch „Dantes Inferno“ thematisiert wird, wie es ICED EARTH bereits getan haben, ist allerdings ein wenig zu viel der Inspiration.
FAZIT: Power-Metal-Fans im Allgemeinen sollten auf jeden Fall mal in „The Path Of Salvation“ reinhören. Und jeder, der der Meinung ist, dass ICED EARTH nach dem 98er Album „Something Wicked This Way Comes“ niemals mehr zur alten Form gefunden haben, kann direkt zugreifen.
Punkte: 11/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 29.10.2012
Daniel Woyke
Stefan Hebes
Jan Gerbracht, Ingo Rieger
Tim Nestler
Pure Steel
55:50
26.10.2012