„Was ist das?“
„Blaues Licht.“
“Und was macht es?“
„Es leuchtet blau.“
Man sah es ihm nicht an, doch Rambo war ein weiser Mann. Manchmal sind die Dinge einfach selbsterklärend - so wie eben auch STURCH. Auf das „Green Album“ lässt die Band mit dem Namen ohne Bedeutung folgerichtig ein blaues folgen. Da ist eine unbestechliche Logik am Werk, die sich auch auf die Entwicklung der Hamburger niederlegt: Den Quantensprung, die Emanzipation von STAIND hat man bereits auf dem Vorgänger hinter sich gebracht, „Long Way From Nowhere“ überrascht nun nicht mit neuerlichen Entwicklungsschüben, sondern läuft so weiter wie erwartet. Präzise, schlüssig und evolutionär.
Wenn man möchte, kann man leichte Einflüsse der Progternative Rocker und Tourkollegen KARNIVOOL in die 15 neuen Kompositionen interpretieren („The Essence“!), wobei der Fokus auf dem „…ternative“ haften bleibt. Für den Prog fehlt eindeutig die Raffinesse und das Überraschungsmoment; hinter dem blauen Licht verbergen sich in erster Linie wieder knallige Rockhymnen, die erst durch Dennis Wendigs eigentümliche Stimme Wiedererkennungswert erlangen. Und die Würze liegt wiederum in der Kürze. Über viereinhalb Minuten geht nichts, selbst ein paar Ein-Minuten-Intermezzi sind dabei. „On Fire“ und „Slow Down“ eignen sich dank Catch-Refrains prima zum Auskoppeln, „Run And Hide“ besorgt den Kitsch – soweit alles in Butter.
Schade, dass der ungestüme Charakter des „Green Album“ dabei ein bisschen verloren gegangen ist. Dass ausgerechnet U2s „Beautiful Day“ gecovert wird, ist in diesem Zusammenhang beißende Ironie, denn das im Original transportierte Gefühl der Freiheit und des „scheißegal, was die anderen denken“ fand man eher auf der letzten Platte, wenngleich diese eckiger und weniger ausgefeilt geklungen haben mag.
FAZIT: STURCH reifen. Trotz unheilvollem Wolkenbruchmotiv wirkt das Blau der neuen Platte beruhigend auf die Nerven. Atmosphärische Zwischenspiele, instrumentelle Bandbreite (obwohl nur noch eine Gitarre am Werk ist) und vielschichtige Produktion sollen Professionalität vermitteln, bedeuten aber auch, dass vermutlich viel geplant und nichts dem Zufall überlassen wurde. Im Kern sind STURCH aber keine Konzeptionisten, sondern von der US-Szene beeinflusste Alternative Rocker, die vor allem einprägsam rocken sollen und dies auch tun; leider ohne den wilden (wenn auch nie unberechenbaren) Touch, der mit der grünen Wildsau einherging. Die Anhänger wird's trotzdem überzeugen.
Punkte: 9/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 07.04.2012
Marta Lledó
Dennis Wendig
Max Best
Lennart Von Weydenberg
Swell Creek Records / Soulfood
43:28
30.03.2012