Zurück

Reviews

Sumilan: Natural Selection

Stil: Progressive Rock

Cover: Sumilan: Natural Selection

Aus der Universitätsstadt Athens im US-Bundesstaat Georgia kamen schon prägende Bands wie R.E.M. oder WIDESPREAD PANIC, und die Newcomer SUMILAN verbreiten einen ähnlich starken Eigengeruch wie jene beiden.

Das knappe Intro „Prokaryote“ dient noch zur schlichten Stimmungsmache, doch dann wird das Quintett konkret: „Search Party“ besitzt mit unter drei Minuten Radioformat, sieht aber von vorhersehbaren Strukturen ab. Das Hauptmotiv ergibt sich aus einem dynamischen Schlagabtausch zwischen unverzerrten Gitarren und kurzen wie kräftigen Ausbrüchen. Die Leadstimme bekundet wiederholt 'Never found a way from home“, und nach einer kurzen Synthesizer-Fingerübung ist Schluss – aber aus dem Kopf bekommt man das Teil nur schwerlich.

„How Now Does It Feel“ wird von mehrstimmigem Gesang eingeleitet, der von Herzschmerz, von „love or loss“ zeugt, und sobald die Rhythmusgruppe zur Gitarre stößt, nimmt das Stück einen tänzerischen, aber sehnsüchtigen Charakter an, obgleich der Text bei aller Federleichtigkeit von trauriger Nostalgie geprägt ist. „Shiska“ wiederum klingt intim funky mit die Drums umspielendem Bass und wavigen Gitarren (ungefähr wie bei OZRIC TENTACLES), ehe SUMILAN zu jammen beginnen: als Bordun eingesetzter Piano-Akkord, aufsteigendes Unisono der Saiteninstrumente und Drum-Rolls, am Ende eine beträchtliche Schwere und Wah-Wah, doch die letzten Sekunden gelten wieder dem Hauptthema – wunderbar schlüssig auch ohne Vocals.

„Message From Below“ fällt hinterher relativ gleichförmig aus, da das Augenmerk auf den Lyrics liegt. Musikalisch bewegt man sich auf zerrfreiem Indie-Fundament, jedoch wiederum leutselig statt aufgesetzt happy wie bei Bands dieser schwammigen Stilistik allzu oft. In acht Minuten hat die Gruppe aber Zeit genug, weite Spannungsbögen zu zeichnen, was ab der Hälfte geschieht, und wenn mehr Menschen Post Rock so deuten würden wie SUMILAN hier oder während des Refrain-starken „Auditory“ (roter Faden, der aber nicht zwischen breit gespreizten Beinen verläuft), wäre dem Genre geholfen.

„Frequency Lost“ ist zunächst trippiger Instrumental-Rock, ein virtuoses Schlängeln von Melodien wie etwa bei PHISH, bevor anklagender Gesang hinzukommt und das Tempo vorübergehend anzieht. Mit dem mantrisch repetierten „Surely you go further than I“ ändert sich auch die Stimmung einstweilig, aber wenn SUMILAN am Ende eine Lösung des angesprochenen Problems, das „simple word“ ansprechen, tönt auch die Musik passenderweise entspannt. Man sieht noch einmal: Diese Band versteht es trefflich, Geschichten zu erzählen.

„Home“ fördert zuletzt Einflüsse aus Afrika zutage, insbesondere im Rhythmusbereich. Stokes steuert Keyboard-Flächen bei, die sich im instrumentalen Mittelteil in typische Achtziger-Fanfaren verwandeln, während Bass und Schlagzeug hypnotisch zusammenspielen. Single-Notes von Seiten der Gitarre kommen hinzu, und ein dynamisches Passspiel zwischen den Musikern nimmt seinen Lauf, wobei man sich weder vor Klavier-Kaskaden noch virtuosen Solos scheut – und das alles klingt so unaufgeregt wie zugleich von vorne bis hinten schlüssig, dass man sich fragt, weshalb noch niemand diese Band kennt.

FAZIT: „Natural Selection“ stellt eine ungeahnte, superbe Kombination aus Easy Listening und Prog, Freude am Einfachen und Fortschrittsdenken dar. Vergleichen lassen sich SUMILAN mit kaum einer zweiten Band, wenngleich der Forscher rasch begreift, dass in ihrer Gegend etwas im Trinkwasser enthalten sein muss, denn Nachbarn wie THE WERKS, THE LOW LIFE oder auch die stärker elektronischen LOTUS aus Philadelphia klingen ähnlich. Hier gilt es, unerschlossenes Terrain abzugrasen.

Punkte: 12/15

Erschienen auf www.musikreviews.de am 12.06.2012

Tracklist

  1. Prokaryote
  2. Search Party
  3. How Now Does It Feel
  4. Shishka
  5. Message From Below
  6. Auditory
  7. Frequency Lost
  8. Home

Besetzung

  • Bass

    Mark Dykes

  • Gesang

    Harris Culley, Alex Stokes, Mark Dykes

  • Gitarre

    Harris Culley, JT Toro

  • Keys

    Alex Stokes

  • Schlagzeug

    Sam Whitfield

Sonstiges

  • Label

    Eigenvertrieb

  • Spieldauer

    44:45

  • Erscheinungsdatum

    25.05.2012

© Musikreviews.de