Tolle Idee: Das Zweitwerk der Niederländer SUPERFLOOR wurde im neuer Besetzung in einem geräumigen Studio live vor Publikum aufgezeichnet. Dies verleiht dem Blues-Rock der Gruppe den notwendigen Schmiss, um sie aus dem Genre-Einerlei herauszuheben.
Prinzipiell ist der Sound des Quintetts nicht sonderlich spannend, aber handwerklich verflucht gut inszeniert, irgendwo zwischen den zudringlichen ROLLING STONES und Seventies-Orgelrock mit gepfefferten Gitarrensolos (Migchelsen ist eine echte Marke, auch mit dem Slide-Rohr) und natürlich der kraftvollen Stimme von Frontfrau Floor (it's in the name …). Gleich zu Beginn wird das Publikum mit einbezogen, in „Go With The Flow“ klatscht es brav mit und saugt auch weiterhin lautstark auf, was die Band zum Besten gibt. Nichtsdestoweniger klingt „Live It Up!“ gewissermaßen sauber und dynamisch.
Stoff wie das Doppel „Tossin' & Turnin'“ und „Hey Goodlooking“ klingt etwas nach DEEP PURPLE mit Sex beziehungsweise einer souligen Note (Hughes-Coverdale-Phase), wohingegen in „Slick N Sly“ Funk-Elemente dazukommen. Dass die Band nicht nach fiebrigen Jungspunden klingt – „Turn It Up“ wirkt nachgerade plagiiert, so vertraut kommt der Refrain vor –, kreidet man ihr nicht an, denn wie gesagt macht die Live-Energie vieles wett, was anderen Stilvertretern zum Verhängnis würde. Obendrein verzeichnen SUPERFLOOR mit „Over You“ sowie dem schmatzenden Rauswerfer „Soulshaker“ zwei späte Highlights, die sonstwo bereits zu Beginn verbraten worden wären. Gute Musiker, gute Songwriter.
FAZIT: SUPERFLOOR stehen auf „Live It Up!“ für rockigen Blues mit Frauenstimme im gepflegten Live-Ambiente, aber dennoch mit genug Schmutz. Im Vergleich zu „Kharma Baby“ besticht vor allen Dingen der Besetzungszuwachs an der Orgel sowie die Kompaktheit des Materials, auch bedingt durch die Aufnahmesituation.
Punkte: 10/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 10.03.2012
Rob Van der Broek
Floor Kraayanger
Jeffrey Migchelsen
Willem Hoving
Thomas Calis
FAP / Just For Kicks
40:53
24.02.2012