Diese Südstaatenrocker wären nichts Besonderes, besäßen sie nicht die Stimme von Fronter Gig Michaels. Seinetwegen wird „Short Stories From A Long Road“ zum echten Fest für Freunde der Stilistik statt einer bloßen weiteren Scheibe, die einmal gehört in Vergessenheit gerät.
Mit dem Hook-Wunder „Do Things“ sowie „Little Angels“, das LIZZY-Gitarren mit Southern-Flair vermengt, sind die Koordinaten rasch abgesteckt. SWAMPDAWAMP brauchen keine Redneck-Ismen zu posaunen, sondern wirken durchweg herzlich und direkt persönlich, was sie nicht nur in „Fat Boy Can Jam“ (selten eine Fiddle in so fettem Soundkorsett gehört) an BLACKFOOT gemahnen lässt. Nach dem Stomp „Good People“ berührt die Teilballade „Gone Fishin'“ mit gospeligen Tönen und warmer Orgel („Happy Anniversary“ kurz darauf noch mehr), wohingegen „Miss Becky“ schwer nach Donnie Van Zandt klingt.
Blues und Slidegitarren sind die eine Seite ihres Sounds, die Maulschellen, die SWAMPDAWAMP etwa mit „Mr. Bill“ verteilen, die andere. LYNYRD SKYNYRD könnten unverkrampft klingen wie „Sweet Disease“, würden sie die Schrotflinte von der Ladefläche des Band-Pickup schrauben, wohingegen „She“ und „Whiskey Road“ (einzig unerheblicher Text auf der Scheibe) besonders wegen der fülligen Instrumentierung an die kräftigeren Stücke von MOLLY HATCHET heranreichen. Alles in allem wie gesagt eine außergewöhnliche Veröffentlichung innerhalb des oft nur Schulterzucken hervorrufenden Genres Southern Rock.
FAZIT: „Short Stories From A Long Road“ ragt aus dem Südstaaten-Wust heraus, weil es thematisch weitgehend intimer daherkommt und von einer fabelhaft rauchigen Gefühlsstimme gekrönt wird. Das herzhafte Songwriting stellt deshalb nur die Basis eines Genre-Albums mit Plus dar.
Punkte: 11/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 10.02.2012
Dave Karns
Gig Michaels
Keith Inman, Laney Strickland
Joe Boogie
David Lee
Big Penny
43:53
20.01.2012