Prog-Konzeptalbum … Okay, wer noch nicht weggeklickt hat, darf sich belohnt wissen, denn die deutsche Gruppe TER’AZUR widmet sich der Königsdisziplin mit der Geschichte des Ölmagnaten Richard Taggard – die Thematik ist vorhersehbar: Politik und Wirtschaft spielen ins Private und lassen Systemzweifel aufkommen – auf recht frische Weise.
Mit dem ruhigen Titelstück (vereinzelt flotteres Georgel mit Doublebass-Einsatz) führt man in die Story ein, ehe „Exoplanet“ den eigentlich Stil der Gruppe hervorkehrt: TER’AZUR haben die neueren Strippenzieher im Artrock-Bereich gewiss studiert, klingen aber recht eigen, weil mitunter gewollt sperrig. Die Refrains hingegen sind Zungenschnalzer, die stets im Mittelpunkt der Tracks stehen. Erst „One in a Million“ wird lebhafter, wobei sich die warm klingende Orgel sowie der ebenso anheimelnde Gesang als Charakteristika der Band erweisen. TER’AZUR arrangieren ähnlich rockig wie DREAM THEATER zu ihrer Zeit mit Derek Sherinian oder die Kollegen von ALIAS EYE. Abgesehen vom orchestralen „Child of our Times“ sowie dem schillernden Spannungsbogen „Five Bagger“ geht es auf „Falling Asleep“ beschaulich zu, allerdings nicht im Wortsinn des Titels.
„Poisoned Waters“ steigert sich als Ballade nur zaghaft und bildet quasi den Gegenpol zum folgenden Heavy-Prog „Mass Hypnosis“, dem deutlichsten Wink zu Petrucci und Konsorten, zumindest am Anfang. In sieben Minuten nimmt sich die Gruppe Zeit für episch breite Melodiebögen wie quirlige Passagen – Anspieltipp definitiv und im Prinzip mit „Beneath the Molten Sand“ so fortgeführt. „Nuke“ und „Full Circle“ lassen die Spannungskurve ein wenig sinken, wobei letzteres wegen seines dynamischen Bogens wiederum verheißungsvoll nach vorne blickt.
„Wayward Souls“ enttäuscht diesbezügliche Erwartungen jedoch als lockerer Singer-Songwriter-Rock. Das zehnminütige „Weather Report“ bietet dann Hausmannskost mit allem, was dazugehört: Nachrichtensamples und LaBrie-Manierismen vor wie auf Genre-Abonnenten zugeschnittener Klangkulisse. Die Gitarrenarbeit lässt an PINK FLOYD denken und sorgt für den Höhepunkt der Scheibe, nach dem zwangsläufig nur ein emotionaler Zipfel wie „Dawn“ kommen kann. Saubere Arbeit insgesamt, obgleich die griffigen Melodien abseits der Refrains fehlen.
FAZIT: „Falling Asleep“ bietet nichts Neues in Sachen Progressive Rock und ist ein Kind seiner Zeit. Die Atmosphäre ist dräuend, aber nie wirklich gefährlich, die Songs sorgfältig arrangiert und mit Witz gespielt. Wer Überraschungen scheut, freut sich über eine nicht abgeschmackte Story und die eine oder andere kurze Stunde unterm Kopfhörer.
Punkte: 10/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 18.01.2012
Christopher Streidt
Ian Alexander Griffiths
Ian Alexander Griffiths
Marcel Kohn
Stephan Schöpe
Gutmensch Records
67:43
12.12.2011