In Kanada eine große Nummer, 2012 erfolgte die Aufnahme in die „Canadian Music Hall Of Fame“, mit zahlreichen Platin und Gold-Auszeichnungen, rangieren BLUE RODEO hierzulande unter ferner liefen. Obwohl alle dreizehn Studioalben, und ein Teil der Livemitschnitte, teilweise zu Spottpreisen erhältlich sind. Das verwundert, denn der Output, den die Band seit 1987 abliefert, ist von nahezu gleichbleibend hoher Qualität, mit Ausreißern eher nach oben als nach unten.
Auch auf dem aktuellen Werk spielen BLUE RODEO wieder eine höchst geschmeidige Country-Rock-Variante. Das mutet manchmal ein bisschen wie TOM PETTY trifft auf R.E.M. an, behält aber immer seine Eigenständigkeit. Die Kanadier haben keine Angst vor Emotionen, auf „Tell me Again“ feiern sie geradezu ländliche Seligkeit, mit swingenden Gitarren, schunkelnder Orgel und Mitwipp-Melodien. Fast ein wenig zu anheimelnd, beherrschen BLUE RODEO selbst in solch äußerst ohrenschmeichelnden Momenten, ihre Songs zwar gefällig und fast eine Spur zu lieblich klingen zu lassen, aber ohne in den Untiefen nostalgisch verbrämter Redneck-Juchzer-Sounds zu versinken.
Zu wahrer Höchstform laufen BLUE RODEO auf, wenn der Mann am E-Piano scheinbar lässig vor sich hin jammt, den Song dabei natürlich spannend trägt, es sogar ein wenig proggig zugeht („In Our Nature“), oder die ROBBIE-ROBBERTSON-Nummer „Out Of The Blue“ zum Finale orgelnde PROCOL HARUM-Gedächtnisminuten einlegt.
Abwechslungsreich, wehmütig, mehr vom Land als aus Stadt, stimmig und eindeutig als BLUE RODEO identifizierbar, reiht sich „In Your Nature“, nur gelegentlich etwas zu schön und gefällig (was für eine Einschränkung…), in die hörenswerte Diskographie der kanadischen Band ein.
FAZIT: Andächtiger Country-Rock mit jenem Touch beatlesquem Pops, der das Album eigentlich erfolgstauglich durch die Decke schießen müsste. Dass BLUE RODEO aber weiterhin vermutlich ein geheimtipptaugliches Schattendasein führen werden, ist höchst bedauerlich. Und jederzeit vermeidbar. Ob Einstieg 1987, in den Neunzigern oder jetzt aktuell, es ist nie zu spät für eine kleine Geschichtsstunde in elysischer Country- Rock-Kunde.
Punkte: 11/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 17.11.2013
Bazil Donovan
Jim Cuddy, Colin Cripps, Greg Keelor, Glenn Milchem
Greg Keelor, Jim Cuddy, Colin Cripps, Bob Egan
Mike Boguski
Glenn Milchem
Bob Egan
Blue Rose Records/Soulfood
63:14
01.11.2013