Dass dieses internationale Trio mit Sitz in Norwegen so viele Stücke zusammengetragen hat, deutet auf Momentaufnahmen hin, und in der Tat ist nicht alles auf "ABC" zwingend als Song zu verstehen, gleichzeitig da die Scheibe keinen Leerlauf verzeichnet.
BLY DE BLYANT sind das Ding von Drummer Skarbø, der sich unter diesem Namen als Klangmathematiker mit offenem Geist versteht. Die Musiker erlegen sich keine Grenzen auf, lassen das zackige "Mordecai" mittendrin ins Schummrige zerfasern, dröhnen redundant vor sich hin ("Transidiomatic Identity", die beiden Teile von "Hutch Jesus") und setzen harsches Morsecode-Riffing vor eine polyrhythmisch aufspielende Rhythmusgruppe ("27").
Das spannende Düsterrock-Stück "Shnily" überrascht wiederum ebenso wie der swingende "Wang Dang Doodle" und der stolpernde Funk "Controversy". Dass das anheimelnde, entspannte "Curtis" das subjektiv empfunden stärkste Ding auf diesem Album darstellt, zeugt vielleicht auch von den Präferenzen des Rezensenten, aber wie dem auch sei ...
Immer wieder machen BLY DE BLYANT nur sekundenlange Zwischenbemerkungen, von welchen man nicht einmal als fixe Ideen sprechen möchte. So entsteht eine Art von geschlossenem Soundtrack zu einem Experimentalfilm, der wohl genauso schwer verdaulich ist, wie man aufmerksam zuhören muss, um "ABC" lieben zu lernen. Geschehen ist dies zumindest im Falle dieses Schreibers bis jetzt nicht.
FAZIT: Was geschehen kann, wenn tolle Musiker zügellos die Glieder rotieren lassen, hört man auf "ABC", einem nicht eben zwingenden Pastiche aus Jazz, Geräusch und Rock-Elementen, dem es schlichtweg an Stringenz fehlt, um nicht ins Beliebige abzurutschen. Mehr oder weniger strukturierte Töne aufnehmen und kommerziell als Musik veröffentlichen kann heute schließlich jeder, doch am Ende des Tages müssen Gefühle angesprochen werden.
Punkte: 5/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 12.04.2013
Shahzad Ismaily
Shahzad Ismaily
Himlar Jensson
Shahzad Ismaily
Øyvind Skarbø, Shahzad Ismaily
Hubro
36:35
15.03.2013