Mit ihrem sechsten Studioalbum, dem ersten seit elf Jahren, klingen die einst unangefochtenen AOR-Helden BOSTON wie ein Ersatzteillager ihrer selbst, was nicht nur am zu frühen Tod von Sänger Brad Delp liegt, sondern an der lieblosen Inszenierung der teilweise nicht mehr so neuen Songs.
Dies gilt speziell für die "Rhythmusgruppe" (echter Drummer?), aber auch für die fehlende Identität aufgrund der Mischpoke, die sich am Mikrofon ein Stelldichein gibt. Abgesehen von "Didn't Mean To Fall In Love" (remastert von "Corporate America"), "Sail Away", "Someone" (Neuaufnahme) und "Te Quiero Mia" (ein aufgewärmtes "I Had A Good Time" von "Corporate America") treten andere aus BOSTONs beziehungsweise Tom Scholz' engem Umfeld in Delps Fußstapfen (der aktuelle Fronter Tommy DeCarlo reichte dem Charisma des alten ohnehin nie das Wasser), und die Zusammenstückelung von Alt wie Neu möchte nicht funktionieren.
Was bleibt, ist ein fahler Abglanz von typischen Gesangsharmonien (wirklich wunderschön mit Kimberley Dahme während "Sail Away" und des Titelstücks) mit Plastik-Produktion und abgedroschenen Melodien, wo BOSTON früher - gut, das ist auch schon rund zwei Jahrzehnte her - zu Tränen rühren konnten. Das synthetische Geklatsche von "If You Were In Love" stellt den Tiefpunkt dar, das einschmeichelnde Instrumental "Last Days Of School" sowie "Someday" mit seiner üppigen Instrumentierung (Orgel, Mundharmonika) darf man sich schönhören. Eine satte Enttäuschung zum Jahresende 2013
FAZIT: Dass Tom Scholz BOSTON zu Grabe legen sollte, ist ... mehr als ein Gefühl, sondern angesichts von "Life, Love & Hope" eine dringende Bitte wert.
Punkte: 4/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 17.12.2013
Tom Scholz
Kimberley Dahme, Brad Delp, Tommy DeCarlo, Tom Scholz
Tom Scholz
Tom Scholz
Tom Scholz
Frontiers / Soulfood
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06.12.2013