Das Zitat aus Charlie Chaplins "Der große Diktator" als Intro (in "Heads Will Roll" und auch später beruft man sich ebenfalls immer wieder auf den Film) des Quasi-Comebacks von BOYSETSFIRE setzt Stimmung und Inhalt dessen fest, was kommt. Die Gruppe hat zu simplerer Form zurückgefunden, nachdem 2007 der Offen ausging - wohl auch wegen der verkopften Ausrichtung von "The Misery Index".
Statt zu viel Melancholie und halbseidener Experimente gibt es wieder richtige Aggression, aber natürlich nicht nur, was allein schon Nathan Grays monströse Stimme bedingt. Mit Hinblick darauf können eigentlich nur IGNITE dieser Band das Wasser reichen, wenn es um Polit-Rock mit Massenappeal geht. Das aufwühlende Doppel aus "Never Said" und "Reason To Believe" (würden RISE AGAINST - noch so eine Combo - vermutlich ähnlich komponieren) steht als fast post-rockiger Konsens wütendem Stoff wie "Far From Over" oder "Wolves Of Babylon" (ist praktisch Thrash Metal) gegenüber. "Until Nothing Remains" ist ebenso fast stumpfer Midtempo-Hardcore, allerdings mit episch melodischem Ende. "Everything Went Black" verdeutlicht den fließend unschematische Wechsel zwischen brutalen Parts und ausgeklügelten Gitarrenharmonien als Stilmittel Nummer eins von BOYSETSFIRE - eine Disziplin, die auf diesem Feld niemand sonst beherrscht.
"Let It Bleed" ist Singalong-Punk, dem man seine amerikanische Herkunft anhört, bloß dass statt Pop-Zugeständnissen eine Dringlichkeit zu Tage tritt, die man gleichsam als Visitenkarte der Band bezeichnen kann. Dennoch erweisen sich die auch in diese Richtung zielenden Tracks "Closure" und "Save Yourself", tatsächlich als Schwachpunkte der Scheibe, während die Musiker das Prinzip im schwelgerischen Finale "Prey" am besten Umsetzen. "Altar Of God" ist jedoch zuvor das spielerische Highlight eines willkommenen Wiedersehens.
FAZIT: Man kann jetzt wieder über die hohe Glaubwürdigkeit von BOYSETSFIRE schwatzen, um ihren Erfolg zu rechtfertigen, doch dies tut bereits die neue Musik der Band. "While A Nation Sleeps" nimmt einerseits keine Gefangenen, zeichnet sich aber andererseits durch eine musikalische Intelligenz (von den Texten brauchen wir nicht zu sprechen) aus, die im melodischen Hardcore selten ist, zumal in so vielen Treffersongs umgesetzt.
Punkte: 12/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 17.06.2013
"Reverend" Chris Rakus, Robert Ehrenbrand
Nathan Gray, Josh Latshaw, Chad Istvan
Josh Latshaw, Chad Istvan
Dan Pelic
End Hits Records / Cargo
48:12
07.06.2013