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Brother Ape: Force Majeure

Stil: Progressive Rock / Art Pop

Cover: Brother Ape: Force Majeure

Es tut gut, eine Jahrzehnte existente Band zu hören, die weder mit Scheuklappen bewehrt ihre alten Schuhe herunterspielt noch krampfartig modern klingen möchte. Statt einem dieser beiden Extreme aufzusitzen spielen die Veteranen BROTHER APE auf ihrem sechsten Album zwanglos Musik in und aus der Mitte, die Originalität mit hörbarer Abgeklärtheit verbindet.

Nach dem kurzen Intro aus Chorgesang und einer Lautsprecher-Stimme (die sich wie ein roter Faden durch die Tracks zieht) erinnert das treibende Titelstück an den fiebrigen Post Rock von OSTINATO, interpretiert allerdings mit der Wärme des fast klassischen Prog. Rein instrumental gehalten steuert der Song auf einen melodischen Höhepunkt zu, ehe "The Mirror" mit nahezu tanzbaren Beats (das Drumming auf "Force Majeure" ist insgesamt eine Wucht) Stefan Damicolas' spröden Gesang in den Mittelpunkt rückt. Typisch liedhafte Kompaktheit, wie sie nicht wenige Genre-Bands insbesondere während der Achtziger hervorkehrten, um zugänglicher zu wirken, verbindet sich hier wie im Folgenden mit Drum'n'Bass-Elementen vor locker-leichten Arrangements.

So bergen vor allem "Doing Just Fine" (inklusive gepfiffenem Hauptmotiv) und "Life" viel Pop in sich, derweil die vielschichtigen Strukturen die blassen Vocals des Frontmanns vergessen machen. Das etwas rauere, um rhythmische Loops aufgebaute "Distinction" steht der himmlisch anmutenden Ballade "Somewhere Someday" gegenüber, die bereits die Wave-Elemente von "A Hundred Voices" und dem loungigen "After Rain" vorwegnimmt. "The Spanish Prisoner" schließlich flicht die kraftvollen Gitarren der ersten Stücke erneut mit ein und fasst den unerhörten Stil von BROTHER APE in geballter Form zusammen. Die Schweden erleben anscheinend gerade die kreativste Zeit ihres gut 30-jährigen Bandlebens - bravo dafür!

FAZIT: BROTHER APE versöhnen tatsächlich A-HA mit YES, wobei ihr gefühltes Gutmenschentum auch nicht vom kommerziellen Potenzial ihrer aktuellen Stücke nivelliert werden kann, da dies ohnehin leider niemand wahrnehmen wird. Dabei muss man kein Eklektiker sein, um diese wunderbar stimmige, höchst eigenständige Musik gut zu finden - wenn man dies denn unter Berücksichtigung selbst auferlegter Zwänge (Gesicht wahren und so) überhaupt darf ...

Punkte: 12/15

Erschienen auf www.musikreviews.de am 29.03.2013

Tracklist

  1. Birth
  2. Force Majeure
  3. The Mirror
  4. Doing Just Fine
  5. Distinction
  6. Life
  7. Somewhere Someday
  8. A Hundred Voices
  9. The Spanish Prisoner
  10. After Rain

Besetzung

  • Bass

    Gunnar Maxén

  • Gesang

    Stefan Damicolas, Gunnar Maxén

  • Gitarre

    Stefan Damicolas

  • Keys

    Stefan Damicolas, Gunnar Maxén

  • Schlagzeug

    Max Bergman

Sonstiges

  • Label

    Progress Records

  • Spieldauer

    53:39

  • Erscheinungsdatum

    22.02.2013

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