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Myrra Rós: Kveldúlfur

Stil: Isländische Singer- und Songwriterin mit traurig-intimen Liedern

Cover: Myrra Rós: Kveldúlfur

Wer die Biografie von MYRRA RÓS genauer liest, der wird entdecken, dass diese Isländerin ihr erstes Konzert im nicht mehr zarten Alter von 20 Jahren vor zwei roten Papageien veranstaltete. Seitdem wächst ihr Publikum stetig und ändert nicht nur seine Farbe, sondern auch die Herkunft. Aus Vögeln wurden Menschen, die beim Hören dieser wundervoll melancholischen Musik vielleicht sogar den Vögeln nacheifern. Wünschenswert wäre diese Vereinigung von Mensch und Tier allemal, selbst wenn kleingeistige Puristen damit nur noch abwertend ihre sexuellen Aktivitäten verbinden. Schönheit ersetzt durch eine Gier, die man den Tieren unterstellt und sie damit auf eine Ebene degradiert, wo diese gefiederten Lebewesen wirklich nicht hingehören. Nein, diese unsympathische Ebene gehört ausschließlich uns Menschen, so sehr wir sie auch auf Tiere jeglicher Art abzuwälzen versuchen. Ach, wären wir doch besser die roten Papageien geblieben! Vielleicht wohnt gerade darum jedem der 9 Songs eine Traurigkeit inne, die ansteckend ist und sicher ihren guten Grund hat.

Überhaupt sollten wir bei „Kveldúlfur“ nicht nur genauer hinhören, sondern auch hinsehen. Auf dem Cover erscheint die isländische Liedermacherin eine Art Symbiose vom Vogel zum Menschen durchzumachen. Oder noch genauer von einer toten Singdrossel (???) zur lebendigen Liedermacherin, die anklagend erst ihre Stimme und dann stellvertretend ihren Gesang erhebt, um uns zu zeigen, was wir im Umgang mit dieser Natürlichkeit der Tierwelt anrichten, indem unser Menschsein irgendwann sogar die Gesänge der Vögel verstummen lässt, genauso wie den dieser toten Singdrossel, die MYRRA RÓS in ihren Händen hält.

Natürlich bleibt mir bei der Beschreibung dieser Musik und der Texte manchmal nur eine inhaltliche Vermutung über, denn ich habe gerade dank eines <a href=" http://www.facebook.com/christian.pliefke " rel="nofollow">Christian Pliefkes</a>, der sich das hehre Ziel gesetzt hat, uns mit seinem Label <a href=" http://www.besteunterhaltung.biz/kontakt-impressum.html " rel="nofollow">BESTE! UNTERHALTUNG</a> viele festgefahrene, deutsche Hörgewohnheiten auszutreiben und den Schönheiten von Musik aus Island, Finnland, den Faröer Inseln, denen man ihre Herkunft eindeutig anhört und die beinahe unvergleichlich ist, näher zu bringen, oft nicht die Chance, auch alle Texte zu verstehen. Dafür kann ich aber sagen, wie wunderschön es ist, die isländische Sprache mit ihrem zarten Wohlklang, eingekleidet in Musik voller Weite und Freiheit, wie der Blick übers Meer bis hin zum Horizont, an dem gerade die Sonne auf- oder untergeht, wo sich zuvor der Mond am Sternenzelt abzeichnete, anhört. Fast zwanghaft spielen hier oft Streichinstrumente eine wichtige Rolle, genauso wie auf „Kveldúlfur“. Besonders das Cello vermittelt uns die Wärme eines Sommertags genauso wie die Bedrohlichkeit dunkel aufziehender Gewitterwolken am Himmelszelt. Diese Bilder können wir wirklich hören und ihre Stimmungen in uns aufnehmen – wir müssen es einfach nur wollen. Diese Lieder sind wie Gedichte, die man nicht interpretiert, weil es irgendein Lehrer in der Schule von einem verlangt, sondern die wir fühlen. In den Gedichten geht es um sterbende Singvögel oder die Liebe oder den Verlust oder die Natur oder die Zerstörung oder das Glück, einfach hier zu sein und Musik zu hören, die man in dieser Intensität und Strahlkraft noch nie so wahr genommen hat wie in diesem Moment. Vielleicht sollte man sich einfach nur dieses Video zu <a href=" http://www.youtube.com/watch?v=BIhzlgDj0RU " rel="nofollow">The House The Home</a> anschauen, um mich zu verstehen.

Insgesamt ist die Atmosphäre aller Songs auf „Kveldúlfur“ sehr ruhig, beinahe intim. Und nach 34 Minuten viel zu schnell zuende. Ein Album für die gestresste Seele, das einen wieder runterholt, das einen aber auch traurig macht. Manchmal beinahe zu traurig. In diesem Falle durchbricht es nicht die Stille, wie es das Vertriebsunternehmen „Brokensilence“, unter dem diese CD zusätzlich verteilt wird, ankündigt, sondern es schafft sie.

FAZIT: Im Herbst geht MYRRA RÓS gemeinsam mit ARSTIDIR auf Deutschland-Tour. Eine ideale Kombination aus isländischem Lebensgefühl + eindringlich-melancholischer Musikintimität + Texten, die mehr zu sagen haben als „I love you“!

Punkte: 12/15

Erschienen auf www.musikreviews.de am 30.04.2013

Tracklist

  1. Vid Og Vid Tvö
  2. Animal
  3. Láru Lag
  4. Værd Og Vökul þrá
  5. Milo
  6. Kveldúlfur
  7. River
  8. Sail On

Besetzung

  • Bass

    Andrés Lárusson

  • Gesang

    Myrra Rós

  • Gitarre

    Kristján Kristjánsson, Myrra Rós

  • Keys

    Jón Elisson

  • Schlagzeug

    Hallgrimur Jón Hallgrimsson, Helgi Svavar Helgason

Sonstiges

  • Label

    Beste! Unterhaltung / Brokensilence

  • Spieldauer

    34:19

  • Erscheinungsdatum

    26.04.2013

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