Eine klassische Metalband-Story sieht definitiv anders aus als bei den dänischen Newcomern von MYTHERY: Gegründet an einer Musikhochschule, musikalischer Background im Falle des Bassisten und des Keyboarders im Jazz, eine gleichberechtigte Violinistin an Bord und ein Sänger, der eher nach Indierock als nach Heavy Metal klingt – was soll da denn schon herauskommen?
Ein durchaus ordentliches Debüt namens „The Awakening Of The Beast“ ist dabei herausgekommen, das definitiv mehr Licht als Schatten aufweist. Zu den Pluspunkten des Erstlings zählen das musikalische Können des Sextetts, das erfreulicherweise nicht in den Vordergrund gestellt wird, um sich im Lichte ihres Glanzes zu sonnen, sondern um starke, progressiv-sinfonische Songs zu kreieren. Dabei kommen neben einigen starken instrumentalen Progpassagen auch etliche feine Melodien zustande. Dass die Band dabei auf einem schmalen Grat wandelt, zeigt exemplarisch „The Crusade“: Laurits Emanuel erschafft hier einige wirklich feine Gesangsmelodien, die sehr aufdringliche Violinenarbeit sowie operettenhafte „aaaaaaah“-Chöre ziehen den Song aber streckenweise herunter in die schwülstige Kitschgosse.
Glücklicherweise überwiegen am Ende aber die positiven Aspekte – wer jedoch Ausschlag bekommt, wenn er Violinentöne zu hören bekommt, der wird mit „Awakening Of The Beast“ definitiv nicht glücklich werden: Mit Gitarre und Keyboards wird hier auf Augenhöhe gefiedelt – aus Sicht des Kritikers der einzige wirkliche Haken am Debüt der Dänen, das ansonsten alle Fans des progressiven Heavy Metals und des sinfonisch angehauchten Große-Gefühle-und-Melodien-Rocks glücklich machen dürfte.
FAZIT: Die als Orientierungshilfe im Infozettel genannten DREAM THEATER und NIGHTWISH sind noch ein paar Nummern zu groß bzw. leiten in die Irre: Die Fähigkeit, ebenso komplexe wie eingängige Songs wie das Traumtheater zu schreiben, geht MYTHERY ebenso deutlich ab wie der Hang von Tuomas Holopainens Bombasttruppe, ausschweifende Epen zu produzieren. Geht trotzdem (oder, im zweiten Falle, gerade deswegen) in Ordnung.
Punkte: 9/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 09.08.2013
Tobias Dall
Laurits Emanuel
Simon Rabenhøj
Mikkel Rosenbeck
Nikolaj Holger
Michala Høj (Violine)
Mighty Music/Target Distribution
52:57
12.08.2013