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Mythos: Grand Prix

Stil: Elektronik zwischen Prog und Pop

Cover: Mythos: Grand Prix

1981 macht „Grand Prix“ dort weiter, wo „Quasar“ endete. Stephan Kaske ist MYTHOS alleine; der progressive, spacige Rock der frühen Jahre findet sich nur noch in der Erinnerung, stattdessen agiert Kaske unüberhörbar in Reichweite der elektronischen Musikpioniere „KRAFTWERK“, „NEU!“ oder „HARMONIA“. Eine Ausnahme ist der Track „Transatlantik Non-Stop“, der wie eine synthetische Paraphrase zu MIKE OLDFIELDs frühen Instrumental-Hits „Guilty“ oder „Blue Peter“ wirkt.

Dem Thema Rennsport sollten sich Jahre später auch YELLO widmen, doch Ähnlichkeiten zu den Schweizern gibt es bestenfalls beim dezenten Pop-Gestus, der auch schon auf die NDW verweist, ohne textlich und musikalisch platten Peinlichkeiten Raum zu geben. Bis auf den englisch eingesungenen „Robot Secret Agents“ gibt es vokale Beiträge nur heftig verzerrt durch den Vocoder, die wesentlich längeren Instrumentalparts (bei relativ kurzen Stücken, die selten an der fünf-Minuten-Marke kratzen. Längster Song ist der Bonustrack „Rockwärts“ mit knapp sechseinhalb Minuten) sind meist geprägt von einer, dem Thema angemessenen, Hektik, ruhige Sequenzen begleitet Kaske gerne auf der Flöte, was dem eher kalten Gesamtklang einen Hauch von Wärme zurückgibt. Saxophon und eingebundene Geräuscheffekte sorgen zudem dafür, dass der Sound sich im klinischen 80er-Jahre-Neon-Synthie-Pop nicht allzu unbehaglich einnistet.

Einen Ausblick wie es weitergehen wird mit Stephan Kaske und MYTHOS, liefert das zweite Bonusstück (ohne Jahresangabe) „Mellotron Mystique“, das seinem Titel durchaus entspricht und jene Mischung aus kosmischen Sphärenklängen, ambienten Synthiesounds und ambitionierter Gebrauchsmusik präsentiert, die Kaske in unterschiedlichen Variationen in den nächsten Jahrzehnten veröffentlichen wird .

FAZIT: „Grand Prix“ setzt auf recht gelungene Weise den mit „Quasar“ eingeschlagenen Weg fort und zeigt MYTHOS als hörenswerten Epigonen der (deutschen) Pioniere elektronischer Musik, deftig mit jenem Synthie-Pop flirtend, der die Musik der 80er nachdrücklich mitprägen wird. Besonders „Robot Secret Agents“ zeugt davon, gar nicht weit von frühen DEPECHE MODE-Stücken angesiedelt, erlaubt der Song sich den Luxus, der Flöte einen (kurzen) tragenden Part zu verleihen. So ist „Grand Prix“ ein dezent experimientelles Konglomerat aus Vergangenheit und (damaliger) Zukunft (die ja längst wieder vergangen ist), etwas unentschlossen und unverbindlich vielleicht, aber unterhaltsam und vor allem nie anbiedernd oder einfätig.

Punkte: 9/15

Erschienen auf www.musikreviews.de am 05.08.2013

Tracklist

  1. Grand Prix
  2. Transamazonica
  3. Transatlantik Non-Stop
  4. Video
  5. Jet Set
  6. Bermuda Dreieck
  7. Robot Secret Agents
  8. Mayday
  9. Rockwärts (Bonus Track)
  10. Mellotron Mystique (Bonus Track)

Besetzung

  • Gesang

    Stephan Kaske

  • Gitarre

    Stephan Kaske

  • Keys

    Stephan Kaske

  • Sonstiges

    Stephan Kaske

Sonstiges

  • Label

    Sireena

  • Spieldauer

    43:53

  • Erscheinungsdatum

    26.07.2013

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