Wem der Name ROBIN TROWER nichts sagt, der wird beim ersten Blick auf das Digi-Pack von „Roots And Branches“ sich verblüfft fragen, wer denn dieser alte, spindeldürre, gebrechliche Herr auf der Rückseite der CD ist, der mit umgehängter Gitarre vor einem Mikro steht. Ja, dieser musikalische Herr ist eine Musik-Legende, dessen Mythos 1963 mit THE PARAMOUNTS, eine Band, die von den ROLLING STONES geliebt wurde, begann, aus der 1967 PROCOL HARUM entstand und der nach seinem Ausstieg 1972 bei der „A Whiter Shade Of Pale“-Legende über 30 Solo-Alben veröffentlichte. Alben, denen eine Besonderheit innewohnte – nämlich dass der Gitarren-Sound sich recht deutlich an JIMI HENDRIX orientierte und sehr oft eine Orgel darin auftauchte, die verdächtig nach MATHEW FISHER, dem Keyboarder von PROCOL HARUM, klang. Außerdem hat Mr. Trower, ganz im Gegensatz zu der nach einer Katze benannten Band, die wirklichen Weltruhm erlangte, weil sie von „Salzigen Hunden“, die im „Blasser werdenden Schatten“ stehen, mit viel Pop-Appeal sangen, den absoluten Blues.
Nur leider erschließt sich mir im Falle von „Roots And Branches“ kaum, warum Trower seinen wirklich begnadet-leidenschaftlichen Blues einerseits zu bereits extrem häufig gecoverten Songs von ELVIS PRESLEY, B.B. KING, WILLIE DIXON usw. rauslässt und dann das gesamte Album durch, statt auch mal den Blues-Intercity zu besteigen, nur im Bummelzug durch die silberne CD-Rille tuckert. Bei Trower verkommen selbst ursprünglich echte Rock'n'Roll-Nummern zu traurigen Blues-Balladen.
Noch trauriger aber ist, dass ein Mann, der seine Gitarre mindestens so wie ein ERIC CLAPTON, JEFF BECK, JIMMY PAGE – eben die versammelte YARDBIRDS-Gitarrenfraktion – klingen lassen kann, was natürlich auch auf „Roots And Branches“ unüberhörbar ist, hier genauso spielt, wie er auf der Cover-Rückseite aussieht: altersweise, erschöpft und traurig. Nur wenn PAUL JONES auf „Hound Dog“ und „That's Alright Mama“ mal zur Harmonika greift, dann wird mal kurz 'ne Kohle mehr in den Blues-Ofen geworfen – aber das war's dann auch schon und so bleibt am Ende nur ein wenig Glut, die durch die graue, erkaltende Asche funkelt. Da überkommt mich zumindest der „Moll-Blues“, den schon zu DDR-Zeiten unsere beste Blues-Band ENGERLING besang: „Moll wohnt seit 'nem Jahr im Erinnerungshotel / Grau wird sein Haar / Denn die Wasser fließen ihm zu schnell / Er kommt nicht mehr mit.“
FAZIT: „Der alte Mann und sein Moll-Blues“ - und wenn ihm gar nichts mehr einfällt, dann werden eben einfach ein paar alte Songs gecovert und in ein Blues-Gerüst gesteckt, das wie die Einsamkeit eines Langstreckenläufers klingt, der im gleichen Laufrhythmus seine Strecke absolviert und am Ende zwar was geleistet und sich selbst bewiesen, die Zuschauer aber im Grunde nur gelangweilt hat. ROBIN TROWER läuft seine Blues-Langstrecke und wir traben behäbig mit unseren Lauschlöffeln mit. Auch wenn hier eine Legende spielt, von der ich fast alle Alben besitze – dieses Album zumindest ist ziemlich überflüssig.
Punkte: 5/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 19.02.2013
Livingstone Brown, Richard Watts
Robin Trower, Richard Watts
Robin Trower
Luke Smith
Chris Taggart
Paul Jones (Harmonika)
Manhaton Records / Soulfood
53:13
04.02.2013