Das solo wohl aktivste und auch streitbarste Mitglied von QUEEN greift mit dem Titel seines neuen Albums nicht umsonst auf jenen seines Debüts von 1981 zurück, denn "Fun On Earth" nimmt stilistisch stärkeren Bezug auf Roger Taylors frühste Alleingänge als an die Neunziger Werke "Happiness?" und "Electric Fire".
Im Ergebnis stehen kompakte Songs am Rande des Rock, die zwar das Songwriting-Talent des Schlagzeugers (immerhin ist er unter anderem verantwortlich für "Radio Ga Ga" , "A Kind Of Magic" und "These Are The Days Of Our Lives") in den Vordergrund rücken sollen, aber nicht zu den großen Hits des Mannes zählen. Dazu bedurfte es auch in der Vergangenheit nämlich immer einer großen Stimme (Mercury), die der Mann selbst eben nicht besitzt, und folglich stechen auf "Fun On Earth vor allem die Arrangements heraus, während die Gesangs-Hooks weitgehend fehlen.
In "Quality Street" ist es die Geige, die aufhorchen lässt, während "Say It's Not True" die Gitarrenarbeit von Jeff Beck und wiederholt hier und dort Steve Hamiltons Saxofon. Der Fokus des Drummers liegt erstaunlicherweise auf an Singer-Songwriter-Stoff grenzendem Material wie "Small", "The Unblinking Eye" oder "Fight Club". In puncto Genre-Crossover gefällt Taylor dessen ungeachtet mit einer Mischung aus Swing ("I Don't Care"), BEATLES-Hommagen ("Be My Gal"), verhaltenen Prog-Elementen und elektronisch verbrämtem Art Pop ("Up", "One Night Stand"). Insgesamt lässt Taylor es zu selten krachen wie im ironischen "I Am The Drummer" und schreibt nach wie vor eher schwache AOR-Balladen ("Sunny Day").
FAZIT: "Fun On Earth" zeigt trotz relativer Rückbesinnung vor allem eines - egal welches QUEEN-Mitglied den Einzelkämpfer mimt, waren sie alle nur richtig geil mit ihrem immer noch unersetzbaren, verstorbenen Sänger und als Team. Unabhängig davon befriedigt Taylors fünftes Solo-Album Fans seines Schaffens beziehungsweise Freunde britischer Rock- und Popmusik nur im beschränkten Maß, weil die richtig guten Lieder nicht vorhanden sind.
Punkte: 7/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 24.11.2013
Roger Taylor, Kevin Jefferies, Steve Stroud
Roger Taylor
Roger Taylor, Jason Falloon, Jeff Beck
Roger Taylor, Jonathan Perkins, Spike Edney
Roger Taylor, Rufus Taylor
Nicola Robins (Geige), Steve Hamilton (Saxofon)
Virgin
47:25
15.11.2013