Andreas Schaerer ist weiterhin eine echte Marke, wenn es um menschgewordene Percussion, Scatten und afrikanische Gesangstradition im Jazz geht. Richard Bona sollte den guten Mann kennenlernen, der hier erneut im Trio aufmarschiert, um Konventionen eine Absage zu erteilen.
"At The Age Of Six I Wanted To Be A Cook" ist eine Mischung aus verschrobenen Kunstliedern und Freiform-Musizieren bei gleichzeitiger Wahrung der Hörverträglichkeit. Rom, Schaerer und Eberle strengen nicht an, sondern spinnen expressionistische Fäden, für die das betörende Unisono "Cooking The Books" zwischen Bläser und Stimme sinnbildlich steht.
Roms träumerische Kompositionen "Ever Since" und "Royal Family" binden die lautmalerische Stimme neben Schaerers minimalistischem Stoff ("Lou" und "Triple Prism") mithin am harmonischsten ein, das virtuose Doppel aus "Headline" (groovt dank bauchiger Gitarren-Licks) sowie "Unloose Hit" (mit rasendem Walking Bass und Trompeten-Urschreien) steht wiederum für die hibbelige Seite des Trios.
Zahlreiche Zwischentöne sorgen dafür, dass man langfristig viel Spaß unterm Kopfhörer hat, ob Atemgeräusche allerorts, dann das (Pseudo-?)Französisch im Beinahe-Titelstück "At the Age of Seven I Wanted To Be Napoleon" oder Anspielungen auf klassischen Swing während "Laster". Einmal mehr gilt: schrankenfreie Klangkunst, die wenn nicht Lebensfreude, so doch auf jeden Fall den Spaß am Sich-Ausprobieren mit herausragendem Musikverständnis in der Hinterhand versprüht.
FAZIT: "At The Age Of Six I Wanted To Be A Cook" klingt nach Stegreif-Kompositorik und dennoch rund, dient sich der Avantgarde an, bleibt aber trotzdem genießbar und denkt Vocal-Jazz um mehrere Ecken weiter, wo andere noch als zigste Crooner oder Diven zum Mikrofon greifen. Das Schöne daran? Rom, Schaerer und Eberle machen eine Menge Laune.
Punkte: 12/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 11.12.2013
Andreas Schaerer
Peter Rom
Martin Eberle (Trompete, Flügelhorn)
Unit / JaKla / Harmonia Mundi
40:59
07.12.2013