Eile mit Weile im März 1980 im Kölner WDR-Studio: Kurz bevor der ehemalige Rädelsführer der (SMALL) FACES schwer krank wurde, stand er zwar noch im vollen Saft, ließ es aber geruhsam angehen. So kommt es, dass dieser pixelig für DVD aufbereitete Gig über eine interessante Dynamik verfügt und erst zum Ende hin richtig aus den Puschen kommt.
Die Boogies "Annie" und "Cat Melody (Rats Tales)" gehören ebenso zum Programm wie der Southern-Rocker "Flags And Banners" und die Ballade "Debris". Eingedenk Ronnies charakteristisch dünner Stimme und der gesetzten Performance wirkt die Chose ein bisschen bieder, obgleich auf sympathische Art. Der 1997 verblichene hatte eine toll eingespielte Band dabei, die selbst den Walzer "When Lads Has Got Money" nicht einbrechen lässt, nicht zuletzt dank Charlie Harts Akkordeon (geil auch: der Schleicher "How Come" und das freudige "You Never Can Tell ").
Die Saxofon-Twins und Ian Stewart (ROLLING STONES) veredeln vor allem den FACES-Gassenhauer "Kuschty Rye" und das kraftvolle "You're So Rude". Am Ende gefallen dann auch das von GRATEFUL DEAD bis Harry Belafonte bekannte "Man Smart, Woman Smarter" und der Rauskicker "One For The Road", der ein wenig wehmütig stimmt. Wer heute noch solche Musik spielt, klingt irgendwie krampfhaft naiv; damals war man es wohl wirklich.
FAZIT: Ronald Frederick Lanes Auftritt beim Rockpalast gehört sicher nicht zu den krachenden Höhepunkten der Serie, aber insbesondere Freunde der ganz frühen Beat-Kiste mit Yankee-Schlagseite müssen das Ding natürlich haben, auch wenn Bild und Sound nur knapp durchschnittlich ausgefallen sind.
Erschienen auf www.musikreviews.de am 06.02.2013
Chrissie Stewart
Ronnie Lane, Henry McCollough, Chrissie Stewart
Ronnie Lane, Henry McCollough
Charlie Hart, Ian Stewart
Bruce Rowland
George Carless, Raymond Carless (Saxofon), Charlie Hart (Akkordeon)
MIG (Made In Germany) Music
77:31
25.01.2013