Jay Farrars Leben nach UNCLE TUPELO geht steil auf die 20 zu. New Orleans. Wenngleich der Mann in Sachen Label seit seinem vierten Album kleinere Brötchen backt, geht er seinen Weg ungebrochen weiter. Auch Platte sieben bedient sich der Ästhetik des traditionellen Country und klingt akustischer als je zuvor.
Man ist angetan, "Honky Tonk" mit halben Bein im Nashville-Mainstream zu verorten. Stichhaltige Beweismittel dafür: das plätschernde "Brick Walls" und "Barricades", das nicht einmal der einstweilige Taktwechsel vor der Austauschbarkeit rettet. Vielleicht liegt es auch an der heuer sehr dominanten Fiddle, dass man keine Brüche mehr in der Musik der Band hört.
Andererseits schreibt Mr. SON VOLT berührende Texte wie den von "Shine On" und seinem Begleitstück "Livin' On". Genau hier zahlt sich die Transparenz, die sachte Instrumentierung des Albums aus, denn Farrar steht mit seiner wirklich charismatischen Stimme im Mittelpunkt. Im Haben stehen zudem die knappen Spielzeiten (bei derlei Minimalismus - spielerisch weniger als in puncto Arrangements - braucht man nicht mehr als drei Minuten pro Lied), das beschwingte "Bakersfield und der Walzer "Hearts and Minds" zu Beginn.
Dazwischen gibt es zu viel Lyrik über Liebe und Melancholie ("Wild Side", was für ein Kitsch), die man SON VOLT warum auch immer nicht abkaufen möchte, und wenn der instrumentale Unterbau so behäbig bleibt wie auf dieser Scheibe, ist diese eben eher keine zwingende.
FAZIT: "Honky Tonk" klingt wohl ungewollt wie ein Alterswerk. SON VOLT stehen 2013 für zumindest klanglich konservativen Country, der weit von Rock entfernt ist und schreiberisch selten besticht. Enttäuschung? In Anbetracht der weit fiebrigeren Jugendsünden von Farrar schon.
Punkte: 6/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 04.03.2013
Andrew Duplantis
Jay Farrar
Jay Farrar, Gary Hunt, Mark Spencer
Mark Spencer
Dave Bryson
Gary Hunt (Fiddle, Mandoline)
Rounder Records
36:34
05.03.2013