Mit seinem Steckenpferd SONUS UMBRA und rundum erneuerter Mannschaft (unter anderem mit frischem Sänger) meldet sich Luis "Gordo" Nasser, nebenbei Viersaiter bei MIGHT COULD, nach acht Jahren Pause zurück und reicht in Form von "Winter Soulstice" eine Menge Musik ein, deren Qualität über weite Strecken besticht, insbesondere für eine Eigenproduktion.
Warum die Band kein kommerzielles Bein auf den Boden bekommt, weiß der Teufel, mit dem es auch fast zugegangen wäre, so Nasser seinen einstweilig kritischen Gesundheitszustand nicht überwunden hätte. Davon zeugen auch die neuen Kompositionen der Band, die nicht alle aus seiner Feder stammen, was SONUS UMBRA umso organischer und variabler macht. Geprägt wird die aktuelle Scheibe von einem sehr organischen Sound (die Drums!) und langen, pittoresken Instrumental-Passagen, oftmals reichhaltig Instrumentiert und dennoch luftig anmutend.
Zu den bemerkenswertesten Tracks zählen das narrative "Insomniac Blue" und die elf Minuten von "Wounded Animal", die vom Weltraum rasch zur Erde finden und Roey Ben-Yoseph als ausgesprochen emotionalen Vorzeige-Sänger ins Rampenlicht rücken. Die tiefsinnigen, teils sehr persönlichen Texte bieten ihm für seine Performance ohnehin eine reichhaltige Grundlage. So schlagen trotz der üppigen Spielzeit viele erfreulich kompakte Lieder ("It's Only Fear") positiv zu Buche, gleichzeitig da gerade die letzten drei kaum minder leicht greifbar sind, obschon sie jeweils eine dauer von fast zehn Minuten erreichen. Die Stimmung schwankt dabei von dramatisch ("Haunted") über tragisch wie anheimelnd ("Rebuke The Sea" mit Cello) zu versöhnlich ("Adrift").
Das sich wiegende Orgel-Stück "Palestinian Black" mit flammenden Gitarrensoli und unweigerlich an Ian Anderson gemahnenden Flöten-Abfahrten stehen auf der kraftvollen Seite von SONUS UMBRA. Royces Spiel bedingt auch, dass man sich beim Gänsehaut-Schwelger "Let It Rain" hin- und hergerissen fühlt ... zwischen Jauchzen und Trauer, um genau zu sein, was sich im folgenden "Silence Kills" durch die Gegenüberstellung von verschmitzten Synthesizern und zurückgenommenen Piano-Parts fortsetzt.
FAZIT: "Winter Soulstice" deckt die ruhige Seite des Progressive Rock ab, ohne Kitsch und stilistischen Schemata zu verfallen. In Chicagos illustrer Musikszene und darüber hinaus stellen SONUS UMBRA eine Ausnahme in Sachen Befindlichkeits-Prog dar, weil sie anders als mancher Mitbewerber nicht leutselig jämmerlich, sondern erbauend klingen.
Punkte: 12/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 14.09.2013
Luis Nasser
Roey Ben-Yoseph, Steve Royce, Brittany Moffitt
Rich Poston, Tim McCaskey, Andy Tillotson
Brian Harris
Andy Tillotson
Steve Royce (Flöte), David Keller (Cello)
Eigenvertrieb / Just For Kicks
71:49
23.08.2013