Diese Pariser gehören bereits seit ihrem Einstand zum weiteren Kreis der französischen Post-Metal- und Shoegaze-Szene, wo sie wie keiner ihrer Brüder im Geiste im Gothic Rock der Pionierzeit verwurzelt sind. SOROR DOLOROSAs Zweitwerk zeigt die Gruppe vor diesem Hintergrund als gute Songschreiber mit Händchen für Stimmungen und einen niveauvollen Tribut an die eigenen Helden.
Auf letzteres verweisen vor allem die unterschiedlichen Artworks (das hier stammt vom Jewelcase, beim Digipack gibt’s Brustwarzen) im Eighties-Retro-Look, aber eben auch die Musik: ein mit Effekten beladener Bass als Triebfeder („Sound & Death“, „The Figure Of The Night“), triumphale, aber dennoch unaufdringliche Refrains („Silversquare“) und sinnvolles Spiel mit Dynamik, wie sie sich im Rahmen einer schnöden Rock-Besetzung durchsetzen lässt. Andy Julia ist sehr wichtig für das Gelingen dieses Unterfangen, da er mehr kann als nur den Wave-Brummbär. Im besonders zarten „Dany“ (mit ansonsten selten eingesetztem Synthesizer) intoniert er zumeist heller als das Gros der Sänger ähnlich gelagerter Gruppen.
„Hologram“ und „Wormhole“ sind düstere Quasi-Soundtracks geworden, „Motherland“ lässt ebenso wie das stampfende „A Dead Yesterday“ (bestes Stück der Scheibe) an eine Mischung aus THE CURE mit Ab-die-Post-Geschrammel denken, und mit dem Finale „Exodus“ kommt ein wenig von der epischen Breite der Kompositionen von Carl McCoy ins Spiel.
FAZIT: SOROR DOLOROSA sind nicht für fünf Cent originell, schreiben aber unaufdringlich zudringliche Songs im Rahmen von mindestens 25 Jahre altem Gothic und Wave. „No More Heroes“ ist als Titel also durchweg ironisch zu verstehen, ob gewollt oder nicht.
Punkte: 11/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 17.01.2013
Hervé Carles
Andy Julia
Emey
Frank Ligabue
Northern Silence / Beneath Grey Skies
43:23
18.01.2013