Zurück

Reviews

Spektr: Cypher

Stil: Avantgarde Black Metal

Cover: Spektr: Cypher

Es ist immer wieder amüsant und ärgerlich zugleich, wie eine eigentlich die Fahne des Nonkonformismus hochhalten wollende Szene genau ebengenannten Ansatz ad absurdum führt. Manche Individuen im deutschen Musikjournalistendschungel scheinen sich offensichtlich selbst die Coolnessmedaille umgehängt zu haben und haben sich so ihre Opferbands herausgesucht, die traditionell niedergeschrieben werden. Und der Mainstream zieht brav mit.

Dass hier häufig der künstlerische Aspekt unter Missachtung ohnehin ungeschriebener kompositorischer und stilistischer Gesetze übersehen wird und das Resultat als dilettantischer Krach und dergleichen abgetan wird, steht da leider an der Tagesordnung. Das durften bereits Bands wie BLUT AUS NORD (zu deren „MorT“- und „Odinist“-Zeiten) und Konsorten erfahren, ebenso SPEKTR - doch da sollte man sich die Frage stellen: Wieso bespricht man ein Album, das die eigene Toleranzgrenze und den eigenen musikalischen und künstlerischen Horizont bei weitem uberschreitet und der eigene Auffassung von Kunst völlig widerspricht? Das hat meist einen Beigeschmack der Marke "Iiih, mag ich nicht, ess ich nicht."

Auf ihrem neuen, nunmehr dritten Album geben die Franzosen auf jeden Fall nach wie vor einen Feuchten auf all die negativen und spöttischen Stimmen und ziehen ihr Ding einfach weiter durch. Mehr als sechs Jahre nach „Near Death Experience“ zeigen sich SPEKTR nicht mehr ganz so lo-fi wie seinerzeit, doch hinsichtlich Konventionen sind die Experimentalisten nach wie vor herrlich respektlos und geben sich in instrumentaler Form ganz und gar ihren Visionen hin.

Irgendwo zwischen norwegischem und BLUT-AUS-NORDigem Dissonanzschwarzmetall, DEATHSPELL OMEGA-Chaos, Ambient, Jazz, Elektronik, Noise, Drone, Psychedelic und Soundscapes haben SPEKTR ein unheilvolles Dickicht erschaffen, das ein akustisches Äquivalent zu einem akustischen „Stummfilm noir“ darstellen könnte. Fies, düster, undurchsichtig, schonungslos brutal und stets unangenehm kratzt der knapp 46-minütige Longplayer wie eine Holzraspel von innen Muster in die Schädeldecke, dass es für Klangmasochisten eine wahre Freude ist.

FAZIT: „Cypher“ ist der blanke Horror. Im positiven Sinne.

Punkte: 11/15

Erschienen auf www.musikreviews.de am 11.02.2013

Tracklist

  1. Hermetism
  2. Teratology
  3. The Singularity
  4. Solitude
  5. Antimatter
  6. Solve Et Coagula
  7. Cypher
  8. Decorporation
  9. Le Vitriol Du Philosophe

Besetzung

  • Bass

    Hth

  • Gesang

    kl.K., Hth

  • Gitarre

    Hth

  • Schlagzeug

    kl.K.

  • Sonstiges

    kl.K., Hth (Samples, Programming)

Sonstiges

  • Label

    Agonia Records

  • Spieldauer

    45:59

  • Erscheinungsdatum

    05.02.2013

© Musikreviews.de