Was 2002 mit NECROPHAGISTs „Onset Of Putrefaction“ begann, findet seitdem konsequent seine Fortführung: Qualitativ hochwertiger, extremer Death Metal aus deutschen Landen hat weltweit einen ausgezeichneten Ruf. Mit ihrem Erstling „Ecstasy Of God“ schicken sich SPHERON nun an, die Reihe international konkurrenzfähiger Bands fortzuführen.
Der Beweis folgt nach dem unspektakulären Einleitungstitel. Es scheint einen typischen deutschen Death-Sound zu geben, ausgehend von DEATH und holländischen Mittneunzigerkapellen, den neben NECROPHAGIST zum Beispiel auch OBSCURA und DEADBORN in sich tragen und der auch die Grundsubstanz von SPHERON darstellt. Dennoch finden auch die Ludwigshafener ihren Weg in die Eigenständigkeit, indem sie mit oftmals gedoppelten Vocals an BEHEMOTH einerseits, mit der vielseitigen Schlagzeugarbeit an die furiosen Taten eines Derek Roddy bei HATE ETERNAL erinnern.
Die Melodien auf „Ecstasy Of God“ fallen im Vergleich zur heimischen Speerspitze des Genres noch verschrobener aus und geben keine klare Emotion vor. Das macht den Zugang zu den Songs nicht einfach und hält den Hitfaktor, wenn man von so etwas in dieser Musikrichtung überhaupt sprechen kann, niedrig. Gleichwohl zeigen die Ludwigshafener mit „Saturnian Satellites“, dass sie durchaus das Potenzial besitzen, solche Ohrwürmer zu schreiben. Und gäbe es einen jährlichen MORBID ANGEL-Sommerhit, es wäre 2013 wohl „Five Degrees“. Im letzten Drittel des Albums nähert man sich mit der geradlinigen Gitarrenarbeit und wuseligen Drums gekonnt NILE an. Weniger überzeugend sind die langsamen, sphärischen Passagen in „Pulse Of Instinct“ oder „Anthropogenic“ sowie schwer rollende Parts wie in „From Glint To Crackling“. Wir sprechen hier aber nicht von Totalausfällen, sondern immer noch von gutem Durchschnitt.
Die Hoffnung auf eine weitere Steigerung der Truppe beruht auf ihrer spielerischen Darbietung. Jeder bei SPHERON scheint um das größtmögliche Maß an Brutalität und Präzision bemüht, die Detailverliebtheit dient der Mannschaftsleistung und neben Schlagzeuger Tobias Blach ist es vor allem Sänger Daniel Spoor, der bereits mit seiner Leistung auf „Ecstasy Of God“ bleibenden Eindruck in der Szene hinterlassen dürfte.
FAZIT: Mit ihrem Debütalbum haben sich SPHERON nur warm gelaufen. Wer auf einem solchen Niveau in den Ring steigt, wird in Zukunft als Schwergewicht zum Angriff blasen. Ergo gibt es keinen Grund, nicht auch hier schon zuzugreifen, denn an den nächsten Alben wird man als Death Metal-Fan ohnehin nicht vorbeikommen.
Punkte: 12/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 07.07.2013
Matthias Minor
Daniel Spoor
Tobias Alter, Mark Walther
Tobias Blach
Apostasy Records
52:49
05.07.2013