„The Spice Years“ hätte man diese Wiederveröffentlichung aus dem Hause Century Media auf Doppel-CD und Dreier-Vinyl auch gut betiteln können. Sie umfasst zumindest den Zeitraum von 1992 bis 2000, in dem Christian „Spice“ Sjöstrand Bass und Mikrofon bei den schwedischen Hardrockern SPIRITUAL BEGGARS bediente.
Nach Michael Amotts Abgang bei CARCASS rief er einerseits für die harten Töne ARCH ENEMY ins Leben, für die eher klassisch rockende Schiene waren aber die SPIRITUAL BEGGARS, zunächst als Trio, seine Spielwiese. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass auch die übrigen CARCASS-Mitglieder sich mit FIREBIRD und BLACKSTAR teils bluesigem Hardrock zuwanden.
Schlicht „Spiritual Beggars“ war das Debüt der Band betitelt, mit der Amott seine Death-Metal-Wurzeln komplett kappt, um klassischen Hardrock der Siebziger zu spielen. Schon gleich im Opener wagt er dann sogar den Ausbruch in jazz-rockige Gefilde, wer meinte, eine CARCASS-Fortsetzung erwarten zu dürfen, wurde also sofort kalt abgeduscht. Aber das ändert nichts an der Qualität der lediglich sechs Songs, die ursprünglich auf dem Debüt enthalten waren. Simplen Rock, der noch ein ganzes Stück von den persönlichen Highlights des Rezensenten „Another Way To Shine“ und „Mantra III“ entfernt ist, präsentiert das Trio, der neben dem verspielten, aber exzellenten Gitarrenspiel Amotts natürlich von der klaren kraftvollen Stimme lebt. Spice prägt die SPIRITUAL BEGGARS zu dieser Zeit, obwohl der benebelnde Hall auf dem Gesang erst später den Wiedererkennungswert der Band nochmals steigern soll und der Musik ein ordentliches Piece Hasch verpasst.
„Später“ ist ein gutes Stichwort. Die aktuelle Wiederauflage von „Spiritual Beggars“ enthält auch die Demos der übrigen Spice-Ära-Alben der Band und gibt so einen vortrefflichen Überblick über die Frühphase SPIRITUAL BEGGARS. Alle Demo-Songs sind qualitativ hochwertig aufgenommen, allerdings etwas direkter und roher als die späteren Versionen der offiziellen Longplayer. Hier entwickelt das Trio seinen enormen Groove und schielt mehr oder weniger offensichtlich auf Endsechziger- und Siebziger-Größen wie LED ZEPELLIN oder DEEP PURPLE, besonders nachdem OPETH-Tastenmann Per Wiberg mit fettem Hammond-Sound das Klangbild verdichtet.
FAZIT: Wer erst durch die beiden letzten Alben auf SPIRITUAL BEGGARS gestoßen ist, darf getrost mit dieser Wiederveröffentlichung die ersten Jahre der Band erkunden, die noch wesentlich weniger RAINBOW-lastig, dafür aber spannender waren, als das aktuelle Material. Wer schon damals dabei war, wird sich immerhin noch an den Demo-Aufnahmen erfreuen, die doch erstaunlich viele Hits enthalten. File under: Gelungen.
Erschienen auf www.musikreviews.de am 19.10.2013
Christian „Spice“ Sjöstrand
Christian „Spice“ Sjöstrand
Michael Amott
Per Wiberg
Ludwig Witt
Century Media
118:37
14.10.2013