Was würde der unbedarfte Hörer von einer Band aus Mexiko erwarten, die auf dem Cover einen einsamen Pistolenhelden dem Sonnenuntergang entgegen schlendern lässt? Vermutlich knochentrockenen bis staubigen Wüstenrock, heiß und erbarmungslos wie die mexikanische Sonne? Oder so etwas wie Sombrero-Metal? Beides falsch, denn SPLIT HEAVEN zelebrieren auf „The Devil’s Bandit“, ihrem dritten Album, dem zweiten für das deutsche Underground-Feinschmecker-Label Pure Steel, reinrassigen Heavy Metal europäischer Prägung.
Neusänger Gian Carlo Farjat klingt wie eine Mischung aus Mat Sinner, Ralf Scheepers und Rob Halford, und diese drei Namen geben auch Hinweise auf die musikalischen Hintergründe des mittelamerikanischen Quintetts: Neben dem US Metal schmiedet man nämlich auch verstärkt europäischen Stahl der Marke JUDAS PRIEST oder wandelt auf der Schnittstelle zwischen kernigem Hardrock und Metal – wie es eben SINNER beispielsweise seit Jahrzehnten gekonnt machen. Am stärksten sind SPLIT HEAVEN immer dann, wenn sie Geschwindigkeit aufnehmen und das Ganze mit feinen, unaufdringlichen Melodien garnieren – so etwa wie in „Runaway“ –, oder wenn sie schnörkellos und direkt zur Sache kommen („Diamond Gaze“ mit Ohrwurm-Refrain). Besonders das Gitarrenduo Zelbohr und Ramos sticht hervor, soliert und rifft abwechslungsreich bis High Noon.
FAZIT: Keep-it-true- und Headbangers-Open-Air-Stammbesucher wissen schon längst, was Sache ist, und auch wer auf traditionellen Stahl mit Einflüssen dies- und jenseits des großen Teichs sollte reinhören: „The Devil’s Bandit“ ist eine ausgereifte Scheibe mit Schmackes und Melodien. Nur Sombreros, die gibt’s nicht.
Punkte: 10/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 19.11.2013
Carlo Hernández
Gian Carlo Farjat
Pedro Zelbohr, Armand Ramos
Tommy Roitman
Pure Steel Records
41:41
22.11.2013