Zurück

Reviews

Stick Men: Deep

Stil: Progressive Rock-Musik aus dem Hause KING CRIMSON unter neuem Pseudonym

Cover: Stick Men: Deep

Endlich ein neues Album von KING CRIMSON!
Genau das könnte der Hörer denken, wenn ihm die ersten Töne von „Deep“ mit den fetten Bässen, komplexen Drum-Orgien und mal fräsenden oder ambientartig verspielten Gitarrenklängen aus den Boxen entgegendonnern.
Was ist neu an dieser KING CRIMSON-Musik, wird wohl der nächste Gedanke des Hörers sein, den „Deep“ von Anfang bis Ende in dem trügerischen Bewusstsein lässt, hier eine neue Crimson-Scheibe eingelegt zu haben.

Neu ist, dass „Deep“ ein (beinahe) reines Instrumental-Album geworden ------ und eben nicht von KING CRIMSON ist! Sondern von zwei KC-Mitgliedern, dem Bassisten TONY LEVIN und dem Schlagzeuger PAT MASTELOTTO, sowie von dem „Guitar Craft“-FRIPP-Schüler MARKUS REUTER, der seinem Lehrmeister in nichts nachsteht. Und rein instrumental ist „Deep“ dann am Ende doch nicht geworden, denn auf „Crack In The Sky“ darf TONY LEVIN ein wenig Sprechgesang und auf „Horatio“ düsteres Gegrunze beitragen, während vordergründig MARKUS REUTER die berühmt-berüchtigten Frippertronics und Soundscapes erklingen lässt, um dieses PROJEKCT, das durch die frippsche Enthaltsamkeit gar keins ist, gänzlich abzurunden.

Kommen wir nun zur Auflösung der Suche nach dem Bandnamen, der nicht KING CRIMSON, PROJEKCTS oder LIQUID TENSION EXPERIMENT, sondern schlicht und ergreifend STICK MEN lautet. Prog, Jazz, Rock, Metal, Ambient und Improvisation heißt das Musikfeld, welches sie beackern. KING CRIMSON und ihre instrumentalen Meisterstücke von „Larks' Tongues In Aspic“ über die neueren Instrumentals, wie „Discipline“ oder „Industry“, sind die Hausnummern, die sie hinterlassen. Hausnummern, die nicht wirklich neu sind, sondern nur Seiteneingänge, die neben der Nummer einen Buchstaben erhalten. Die STICK MEN öffnen keine neuen Eingänge, aber sie vergrößern ein wenig die Türen, auch wenn sie es bei „Sepia“ mit etwas zu langweiligen Loops und Ambient-Gewusel übertreiben, dafür aber mit ihrem Anti-Walfang-Titel „Whale Watch“, der mit seinen zehn Minuten Laufzeit „Deep“ schwer beeindruckend abschließt, noch ein gehöriges Achtungszeichen setzen.

FAZIT: Am Ende ist und bleibt „Deep“ aber eine KING CRIMSON-Gedenk-Platte in CD-Form. Gut, aber irgendwie doch nur eine Kopie aus besseren KC-Zeiten, die, wie's scheint, längst vorbei sind und uns höchstens noch mit neuen Abmischungen alter Meisterwerke überraschen. „Deep“ ist alter Wein aus neuen Schläuchen – selbst wenn Mr. FRIPP hier mal nicht der Kellermeister ist!

Punkte: 9/15

Erschienen auf www.musikreviews.de am 28.04.2013

Tracklist

  1. Nude Ascending Staircase
  2. On/Off
  3. Cusp
  4. Hide The Trees
  5. Crack In The Sky
  6. Horatio
  7. Concussion
  8. Sepia
  9. Whale Watch

Besetzung

  • Bass

    Tony Levin

  • Gesang

    Tony Levin

  • Gitarre

    Markus Reuter

  • Schlagzeug

    Pat Mastelotto

Sonstiges

  • Label

    Unsung / Galileo

  • Spieldauer

    54:13

  • Erscheinungsdatum

    22.03.2013

© Musikreviews.de