Laut Front-Jesus Michael Sweet rechtfertigt sich dieses Song-Recycling dadurch, dass STRYPER Lizenzprobleme aus dem Weg räumen und mehr Kontrolle über ihren in fremder Label-Hand liegenden Back-Katalog erhalten möchten. Nichtsdestoweniger handelt es sich bei "Second Coming" um ein entbehrliches Compilation-Album.
Die Band stellt hiermit Auszüge ihrer Diskografie in neu eingespielten Versionen zusammen, angefangen bei der Einstands-EP “The Yellow And Black Attack” über “Soldiers Under Command” bis zu “To Hell With The Devil”. Hinzu kommen zwei erwartbare Kaufzwänge in Form von neuen Stücken. Ob man nun das KISS-ige "Loving You" oder den textlich zum Fremdschämen geeigneten Antreiber "Makes Me Wanna Sing" heranzieht: STRYPER denken nicht daran, ihren Sound zu modernisieren, wiewohl die Kiste insgesamt zackiger klingt als die Originale. Spaß scheinen die Amerikaner tatsächlich noch zu haben, weshalb man anders als bei manchen Altherren-Rockern nicht den Eindruck gewinnt, es handle sich um eine unaufrichtige Angelegenheit.
Instrumental waren und sind STRYPER im Vergleich zu beispielsweise JOURNEY oder BAD COMPANY (Sweet wäre so gerne Rodgers während "First Love") eine Durchschnittsnummer, was übrigens auch für "Bleeding From The Inside Out" gilt, die eine neue Komposition, welche durch zischende Becken verärgert und dröge die Faust in die Luft reckt, ohne aus den Puschen zu kommen. Das andere hingegen ("Blackened") steht den Band-Klassikern in nichts nach, vor allem in Anbetracht seines epischen Refrains, zumal sich der Text angenehm zurückhaltend liest. Es bleibt aber dabei: Die Südkalifornier bekehren niemanden zu Gott oder ihrer Musik und sind eine zu laut aufmuckende Combo aus der zweiten Reihe des Melodic Metal.
FAZIT: Auch in Anbetracht des Nachspiel-Vorgängers "The Covering" darf man sich die Frage stellen, ob STRYPER nicht besser zumindest von der internationalen Bühne abtreten sollten, erstens als reaktionäres Relikt der Ära Ronald Reagan und zweitens aufgrund ihrer inhaltlichen wie spielerischen Unerheblichkeit. Es reicht ja auch, hier und dort in den Staaten einen Gottesdienst zu beschallen ...
Erschienen auf www.musikreviews.de am 16.03.2013
Timothy Gaines
Oz Fox, Michael Sweet, Timothy Gaines
Oz Fox, Michael Sweet
Robert Sweet
Frontiers Music / Soulfood
70:11
22.03.2013