„Wo zur Hölle sind wir“ müsste die Frage angesichts des Covers zwischen aseptischer Hippieseligkeit und hell erleuchteter Boygroup-Gummizelle eigentlich lauten. Doch wir wollen mit den verträumten Jungs von SWIM DEEP nicht zu hart ins Gericht gehen. Zu freundlich, ätherisch, aufgepeppt durch eine relativ dominante Rhythmussektion, kommt „Where The Heaven Are We“ daher. Ein Sommeralbum wie ein laues Lüftchen, das einen netten Abend mit Freunden umweht. Ein bisschen belanglos, gelegentlich ergreifend und zwischen melodischem Entzücken, gelangweiltem Herumtändeln und pubertärem Herzschmerz pendelnd. Der ja so brutal wehtut, aber gleichzeitig für ein wohliges Gefühl in der Magengegend sorgt; denn mag die Sehnsucht auf ihre Erfüllung warten, unmöglich ist sie nicht.
Das ist auf unbedarfte Art in den Neunzigern heimisch, als Bands wie THE FARM, RIDE oder die HAPPY MONDAYS Top Of The Pops waren, für einen kurzen Moment. SWIM DEEP nehmen den musikalischen Faden auf, als wären keine zwanzig Jahre seitdem vergangen. Sie erledigen das mit Charme und in den besseren Stücken mit Gefühl, Witz und Hang zum Teenage-Drama. Ein bisschen wie ein John Hughes-Film. Auf „Where The Heaven Are We“ fänden sich potenzielle Soundtrack-Beiträge zu Hughes gelungenen Wohlfühlwerken („Intro“, „King City“, „Honey“, „She Changes The Weather“, „Soul Trippin“, mit leichten BEATLES-Anklängen) wie den schnarchnasigen (das weichgespülte „Colour Your Ways“, der repetitive Langweiler „Make My Sun Shine“ – Super Texte im Übrigen – oder Allerwelts-Pop ohne besondere Höhepunkte, „Red Lips I Know“). Aufregung, harsche Rhythmus- und Tempowechsel sind der jungen Band aus Birmingham fremd, ihr Debüt ist ein ziemlich gleichförmiges wohliges Waten durch’s wavige Wattmeer. „Instant classic“ steht im Infosheet, und obwohl es der Schreiber so vermutlich gar nicht gemeint hat, ist der Ausdruck berückend ehrlich.
FAZIT: Der Sommer neigt sich dem Ende zu. SWIM DEEP kümmert das nicht. Sie spielen ihr verträumt harmloses Programm weiter, wenn das letzte Feuer am Strand längst erloschen ist, und alle Kinder in den Zelten und ihren Schlafsäcken verschwunden sind. Allein, zu zweit, zu dritt, wer weiß. Der Abend war schön, die Stimmung gut, die Musik hat nicht gestört und war für die ein oder andere innige Umarmung – und ein bisschen mehr – gut. Morgen steht was anderes an.
Punkte: 8/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 24.08.2013
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