Welcher Szene-Kenner nimmt den Namen SYRON VANES ehrfürchtig in den Mund, wenn es um Power Metal aus den frühen Achtzigern geht? Dennoch, die verhaltenen bis negativen Reaktion auf ihre fünfte Scheibe in über 30 Jahren deutet wieder einmal auf die allseitige Treulosigkeit hin, mit der die Klientel im Umkehrschluss jeden halbseidenen Newcomer (vorzugsweise bei den Big Players unter den Plattenfirmen unter Vertrag) in den unverdienten Himmel jubelt.
Die über das Kultlabel Ebony fälschlicherweise mit der NWoBHM assoziierten Skandinavier befinden sich zwar in einem Zeitloch, versumpfen dort jedoch dank geschmackvoller Arrangements und einer modernen Inszenierung ihres traditionellen Sounds keineswegs. Ihre "Overture" beginnt mit einem Sample aus der berühmtesten Erbauungsrede des ehemaligen US-Präsidenten Roosevelt, die am D-Day 1944 im englischsprachigen Radio ausgestrahlt wurde. Hiermit verweisen die Schweden quasi auf ihre deutlichsten Einflüsse, nämlich amerikanischen Melodic Metal der meistens groovenden Art. Für diese Lesart stehen das mit einem starken, wenn auch irgendwoher bekannten Hook versehene "End Of The World" oder "Sacrifice", dessen geflüsterter Titel als Refrain ebenso markant anmutet.
Vahlstroem ist sicherlich kein ausdrucksstarker Sänger vor dem Herrn, verzapft aber wiederum keine Floskeln ("Flyblown World"), wie man trotz der wie Abziehbilder wirkenden Titel der Lieder vermuten könnte. Genauso wenig ist das Album in seiner Gesamtheit Malen nach Zahlen, sondern mit hörbarer Mühe auf gute Stücke ersonnen worden. Die Krux des Ganzen bleibt allerdings eine vordergründige Ähnlichkeit vieler Stücke ("Devil's Dancing", "Kingo Of It All"). Uptempo-Tracks wie "Hellion Child" oder "Only Hell Remains" gemahnen an METAL CHURCH (vor allem "God's Gift") oder HADES während Dan Lorenzos Midlife Crisis in den Neunzigern und gehören zu den Stärken der Combo, weshalb ihre Behäbigkeit an anderer Stelle ("Bringer Of Evil") verwundert.
Letzten Endes ist "Evil Redux" ein bisschen zu unspektakulär ausgefallen, um jugendlichen Heißspornen unter den Fans Geld für die CD zu entlocken, aber eine lautere Angelegenheit ohne prollige Klischees.
FAZIT: SYRON VANES spielen klassischen Metal auf der Höhe der Zeit und reichen hiermit ein zu langes Album mit wenigen Unterscheidungsmerkmalen ein. Freunde der stets kontrollierten Ausformungen des Genres sollten ein Ohr riskieren und dürfen zumindest zwei, drei Songs in ihre Playlists aufnehmen.
Punkte: 8/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 09.03.2013
Jakob Lagergren
Rimbert Vahlstroem
Anders Hahne, Rimbert Vahlstroem
Mats Bergentz
Transubstans / Record Heaven
62:25
13.03.2013