Schon auf ihrem Debüt klangen BLOOD RUNS DEEP so, als hätten sie sehr viel TYPE O NEGATIVE gehört, obzwar sie sich um Eigenständigkeit bemüht haben. Dies gilt auch für ihr zweites Album, das sogar noch schleppender und Keyboard-lastiger ausgefallen ist, doch zum Glück versucht Frontmann Stefan erst gar nicht, wie Pete Steele zu klingen.
Damit wäre er auch zum Scheitern verurteilt, aber seine Stimme stellt zugleich auch weiterhin den Schwachpunkt der Gruppe aus Sankt Gallen dar. Das raue Organ trägt den überraschend facettenreichen Sound von BLOOD RUNS DEEP nicht zur Gänze, denn die unterschiedlichen Klangfarben, die gerade Synthesizer und Gitarren (mit Effekten) zu Gehör bringen, brauchen mehr als sein oftmals ausdrucksschwaches Nölen (höre den Refrain von "Tomorrow" als akustischen Lichtblick, den der Gesang unpassenderweise verdunkelt).
Andererseits gereicht diese Gleichförmigkeit dem Album zu einem hypnotischem Charakter, wie ihn die frühen Werke von PARADISE LOST ausmachten. "Low" und der Höhepunkt "Fading Away" (nur das zehnminütige Titelstück ist stärker) beispielsweise verfügen in diesem Zusammenhang über einen fast originalgetreuen Greg-Mackintosh-Gitarrensound, wobei die Produktion irgendwie dahingehend missraten ist, dass einige Stücke (etwa "The Inner Gods") tönen, als seien sie anders abgemischt worden als der Rest.
Den steten Fluss - Doom nach Neunziger-Lesart im besten, zähen Sinn - zerstört dies gleichwohl nicht, und abgesehen von manch weniger inspiriertem Moment, den man sich schönhören kann ("Everything Turns To Ashes"), ist "Into The Void" eine recht einzigartige Scheibe, deren Erzeuger nicht bloß als Methadon für um die Vorbilder trauernde Süchtige angesehen werden dürfen.
FAZIT: BLOOD RUNS DEEP haben ihren Stil auf verhaltene Weise ausgeweitet und werden ihren Weg gehen. "Into The Void" ist ein schönes wie seltenes Erzeugnis von Menschen, die den Metal des ausklingenden 20. Jahrhunderts lieben, eine allen Unkenrufen zum Trotz für "unsere" Musik sehr spannende Zeit.
Punkte: 10/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 19.03.2014
Stefan Vida
Stefan Vida
Christian Kuhn
Josh Almus
Simon Christ
Bret Hard Records / SAOL / H'art
66:40
07.03.2014