Besonders eigenständig waren die schwedischen Power Metaller von BLOODBOUND bisher nicht, doch mit frischer Energie, unbekümmerter Spielfreude und dick aufgetragenen Klischees, die niemand wirklich ernst nehmen konnte, gelang es der Band aber zumindest, auf Alben wie „Unholy Cross“ oder „Book Of The Dead“ gute Laune zu verbreiten.
Mit der guten Laune ist es jetzt aber zumindest beim Kritiker vorbei: Auf „Stormborn“ werden teilweise so dreist Melodien, Arrangements und Songaufbauen von Bands wie HAMMERFALL, SABATON, POWERWOLF, GAMMA RAY, MANOWAR, SAVATAGE, STRATOVARIUS und Co. geklaut, dass man fast sprachlos vor der Anlage sitzt. Zu diesem wenig einfallsreichen Songwriting begehen BLOODBOUND die Kardinalssünde, ihre Songs künstlich aufzupumpen. Mit Presslufthammer-Intensität werden die Refrains wiederholt und mannigfach gedoppelt, mit klebriger Süßlichkeit werden die Melodien auf Mainstreamkurs gebracht. Und auch wenn die Band bisher wenig innovative Songs am Start hatte – so offensichtlich uninspiriert und unnatürlich überproduziert klangen die Schweden auf ihren bisherigen Alben bei weitem nicht. Dass hier handwerklich alles im grünen Bereich ist und die Jungs wissen, wie man die Instrumente hält bzw. vernünftige Töne ins Mikrofon bringt, darf man als Selbstverständlichkeit ohne jegliche positive Beeinflussung der letztlichen Beurteilung voraussetzen.
FAZIT: Für Fans der Band mag „Stormborn“ in Ordnung gehen, wenn man die Originale nicht kennt und mit der überaus fetten Produktion und den aufgeblasenen Chören kein Problem hat. Für den Musikreviews-Rezensenten ist das sechste Album der einst sicheren Bank für melodischen Power Metal zeitgemäßer Provenienz eine herbe Enttäuschung.
Punkte: 6/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 19.11.2014
Anders Broman
Patrik Johansson
Tomas Olsson, Henrik Olsson
Fredrik Bergh
Pelle Åkerlind
AFM Records
46:23
21.11.2014