Ein interessantes Zweitwerk legen die Schweizer Melodic Death Metaller BLOODSTAINED GROUND mit "A Poem Of Misery" vor. Im Bestreben, etwas Eigenständiges zu erschaffen, intergriert die Band recht gekonnt Geige und Cello in ihren Sound. Das sorgt jedoch nicht dafür, dass das Ganze einen folkigen Einschlag bekäme, sondern wird eher so verwendet, wie es My Dying Bride machen. Die Geigenmelodien sind - wie auch die Gitarrenharmonien - leicht melancholischer Natur, so dass das ungewohnte Experiment gut funktioniert.
Dass die Streicherarrangements hier und da ein bisschen aufgesetzt wirken und man das Gefühl hat, dass ein Part in einem Song eigentlich nur dem Zweck dient, diese Elemente nochmal einsetzen zu können, fällt auf, stört aber nicht weiter. Zumal die Streicher ansonsten auch begleitend fungieren. Im Stück "The Old Ones" kommt ergänzend ein Sitar hinzu, die einen orientalischen Anstrich verleiht. Sollte jemand befürchten, dass der Sound durch diese Elemente verwässert wird, so kann man Entwarnung geben. BLOODSTAINED GROUND prügeln sich nämlich über weite Strecken recht heftig durch ihr Material, Einflüsse aus Black und Thrash Metal sorgen dafür, dass der Härtegrad hoch bleibt. Auch der gut klingend, harsche Gesang tut dazu sein übriges und würde auch im Rahmen von melodischem Black Metal funktionieren.
Der gute musikalische Ansatz wird zudem über weite Strecken in gelungene Songs umgesetzt. Echte Killerhooks bleiben aus, so dass sich kein Song wirklich abheben kann, aber einen Stinker macht man unter den neun Stücken ebenfalls nicht aus. So ist "A Poem Of Misery" ein Album, dass mit ausgewogener Mischung aus Härte und Melodie sowie dem gewissen Etwas nicht unbedingt für Begeisterung sorgt, aber ziemlich unterhaltsam ist.
FAZIT: Wer auf harten, melodischen Death Metal steht, der sich nicht an offensichtlichen Vorbildern orientiert, sondern recht eigenständig daher kommt, sollte BLOODSTAINED GROUND ruhig mal antesten.
Punkte: 10/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 09.12.2014
Thomas Müller
Roger Rüfenacht
Thomas Gerber, Mischa Leutwyler
Markus Bader
Czar Of Bullets/PlasticHead
46:31
17.11.2014