Zum Unwort des Jahres 2013 wurde vor Kurzem "Sozialtourismus" gekrönt, doch eigentlich gehört die artverwandte "Armutszuwanderung" mit dem Titel bedacht. Jedenfalls stehen beide Begrifflichkeiten im Verdacht rechtes Gedankengut gegenüber denjenigen zu wecken, die in Deutschland eine neue Chance suchen. Vor allem Einwanderer aus Rumänien fallen dem Phänomen des Unwortes zum Opfer, das meist durch sein bequemes Erscheinungsbild zur überschnellen Meinungsbildung überredet. BLOODWAY aus Timi?oara zeigen, dass ein Wort in diesem Zusammenhang viel zu kurz greift und das umfangreiche Potenzial eines jeden Menschen in sträflicher Weise vernachlässigt.
Bisher ist die rumänische Metalszene kaum über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Mir sind spontan nur die Folk/Black Metaller von NEGURA BUNGET eingefallen, die dafür international einen durchweg guten Ruf genießen. BLOODWAY machen sich nun auf, um die rumänische Front zu stärken und über I, Voidhanger Records ihr erstes Lebenszeichen in Form einer EP zu senden. Nicht nur der halsbrecherische Titel "Sunstone Voyager And The Clandestine Horizon", das interessante Artwork und das völlig szeneuntypische Bandlogo verdeutlichen, dass das Trio seinen ganz eigenen Weg zu gehen gedenkt.
Ähnlich wie seit Kurzem MORBUS CHRON machen sich BLOODWAY nichts aus Genregrenzen. Viel mehr sind die Rumänen an bestimmten Stimmungen interessiert, egal aus welcher Ecke des musikalischen Kosmos sie ursprünglich stammen. Dabei reiht das Trio nicht einfach uninspiriert Genretrademarks aneinander, sondern schreibt kompositorisch dichte Songs, die aber zu keiner Zeit überladen wirken. 'The Skeleton Key' überzeugt mit einem Ohrwurmriff, clever gesetzten Blastbeats und einem fast schon ambienten Mittelteil. Während hier vor allem Einflüsse aus Death und Black verwurstet werden, spielt 'Free Ends' mit den Genreerwartungen aus Post Rock, Dark und Extreme Metal, ohne sich für eine Seite zu entscheiden. Das rockig-groovige Riff in 'Eye Service Collapse' wird von einem intelligenten, blackmetallischen Blastbeatpart unterbrochen und der abschließende Titeltrack ist eine astreine, atmosphärische und von Pathos befreite Metalhymne. Oder um es es auf den Punkt zu bringen: BLOODWAY zeigen gleich auf ihrer ersten EP wie intelligent, originell und gut Musik auch anno 2014 noch sein kann.
FAZIT: Mit ihrer Debüt-EP "Sunstone Voyager And The Clandestine Horizon" setzen BLOODWAY ein Ausrufezeichen in die Metalwelt. Die Rumänen beweisen, was aus unbestreitbarem Talent und fehlenden Scheuklappen alles entstehen kann. Ich freu mich jetzt schon auf das Album!
Erschienen auf www.musikreviews.de am 03.03.2014
Mihai Andrei
Costin Chioreanu
Costin Chioreanu
Alex Ghita
I, Voidhanger Records
26:11
27.02.2014