Sieh an: längere Songs, liebevollere Detailarbeit, nicht mehr so sprunghaft: BLY DE BLYANT gefallen mit ihrem zweiten Album richtig, richtig gut, ohne Kompromisse in Sachen Stillosigkeit einzugehen.
Diese ist nämlich ihr Stil, wie man weiß, wenn man den Verriss anderswo auf diesen Seiten las oder die Norweger bereits selbst gehört hat. "Hindsight Bias" (hinterher ist man tatsächlich schlauer?) strotzt vor Ideen, die diesmal meistens zu Ende gedacht wurden, und klingt dabei vielmehr abgeklärt als aufgeregt. Das düstere "Jiddu" geht stimmungsmäßig nahtlos ins ähnlich geartete "Westkreuz" über und rückt das Trio in psychedelische Nebel (dort wabert auch das hibbelige "Defghijkl"), welchen es mit dem hypnotischen "Laura" an der Seite des alter alten Krautgewächse CAN und FAUST tanzend wieder entzieht.
Gut, das Titelstück ist dann nur ein längeres Intro zum Math Rocker "Michael Jackson Pollock" (Anwärter auf den Titel des Jahres?), wohingegen "Bunker Hill" als Free Jazz mit Bläser-Betrieb fußt. Daneben bestechen immer wieder kranke Banjo-Parts (vor allem im einlullenden Abschluss "The Eighteen Irascibles") sowie immer wieder, wenn man gerade glaubt, es sei "too much", ein melodisches Fragment, das die Mundwinkel anzieht und die nächste Runde von "Hindsight Bias" im Player einläutet.
FAZIT: Überraschung gelungen, Band als solche etabliert - BLY DE BLYANT dürfen sich jetzt als ernstzunehmende Combo zwischen Jazz, Post Rock und Hastunichgesehen betrachten, die beweist, dass zwanghafter Regelbruch doch hörbar sein kann, wenn man ihn mit Respekt vor den Komponenten angeht.
Punkte: 10/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 01.04.2014
Hilmar Jensson, Shahzad Ismaily
Hilmar Jensson, Shahzad Ismaily
Hilmar Jensson, Shahzad Ismaily
Hilmar Jensson, Shahzad Ismaily
Øyvind Skarbo
Hubro
33:49
28.03.2014