Der Split der originalen KYUSS war eigentlich das Beste, was der Fanbasis passieren konnte, denn was wäre die Szene heutzutage ohne die zahlreichen Seitenarme und Sprösslinge der Wüstenfüchse? Eben. Mit BRAVE BLACK SEA hat das insofern zu tun, als es sich um die neue Band von Alfredo Hernandez handelt, gemeinsam mit gestandenen Recken aus dem weiteren Umfeld der ursprünglichen Protagonisten von Stoner und allem, was darauf folgte.
Und das war nicht wenig, aber "Fragments" zeigt sich von Post und Prog unbeeindruckt und kehrt den alten Stil trefflich hervor: klassischer Hard Rock mit leichter Indie-Note ("Abandon Ship" sagt hallo zu Josh Homme) und bewährten Songwriting-Mustern, gekrönt von Damon Garrisons alles umarmender Stimme. Dementsprechend hymnisch klingen die Stücke ("Bandana Republic"), gerade wenn BRAVE BLACK SEA die Seele baumeln lassen wie in "The Five Visitors" oder ansatzweise während "Silence Is Golden". Bis allerspätestens hierher zeichnet sich ein kompositorisches Schema ab, das die Kalifornier verhältnismäßig großzügig variieren, um nicht Gefahr zu laufen, die Hörerschaft zu langweilen.
In der zweiten Halbzeit dreht die Combo dann sogar tatsächlich auf: das knorrig aggressive "This Is This", der Ohrwurm "Beginner's Luck" und das melancholische "The Road" sind Volltreffer, die sich die Macher offensichtlich nach allem naheliegenden Material fürs Ende aufgehoben haben, und das finale Titelstück macht sowohl AUDIOSLAVE als auch neueren ALICE IN CHAINS Konkurrenz.
FAZIT: "Fragments" ist für das Format der Dahinterstehenden sicherlich noch ausbaufähig in Sachen Treffsicherheit, aber mehr als eine Handvoll der ersten Tracks von BRAVE BLACK SEA besteht den Dauertest und wird sich insbesondere auf den Bühnen hoffentlich auch der europäischen Welt bewähren. Die Klientel weiß, was zu tun ist.
Punkte: 9/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 30.03.2014
Clint Cunningham
Damon Garrison, Chris Hale
Chris Hale, Damon Garrison
Alfredo Hernandez
V2 Benelux / H'Art
39:58
04.04.2014