Alles klar!?
Oder doch nicht?
Wer hat's erfunden???
Ein BRIMSTONE, ohne jeglichen CIRCUS?
Wer sich in Norwegen den Namen BRIMSTONE als Band verleiht, der weiß definitiv, dass es in Schweden eine progressive Rockband aus dem FLOWER KINGS-Umfeld gibt, die sich CIRCUS BRIMSTONE nennt. Das wiederum heißt, dass man an die Musik von BRIMSTONE mindestens genauso hohe Maßstäbe wie an CIRCUS BRIMSTONE anlegen muss - eine verdammt hohe Prog-Latte, die da aufgelegt wird ... nur BRIMSTONE überspringen diese Latte nicht nur locker, sondern sie legen diese noch ein gehöriges Stück höher!
Voraussetzung für diesen Sprung ist die konsequente Orientierung an den progressiven Wurzeln der 60er- und 70er-Jahre, in denen Bands wie KING CRIMSON, GENESIS oder VAN DER GRAAF GENERATOR die Saat legten, die dann zu gigantischen Auswüchsen wurden. Und noch eine weitere Komponente, der unbedingte Aufmerksamkeit zugewandt werden sollte - nämlich eine Stimme die an den außergewöhnlichen, querschnittsgelähmten ROBERT WYATT erinnert. So werden auch immer wieder Erinnerungen an SOFT MACHINE geweckt, die ihre Berechtigung haben. Verspieltes wird bei BRIMSTONE groß geschrieben - beispielsweise wenn ein Akkordeon auf „Voodoo“ erklingt und für wenige Momente eine interessante Form des „Shanty-Progs“ zelebriert, an dem OCEAN 5 jämmerlich gescheitert ist. Oder die vielen Italo-Prog-Verweise auf LE ORME, BANCO bzw. PFM werden uns Retro-Heads bestimmt immer wieder begeistern. Auch deutliche Jazz-Rock-Anleihen sowie eine breite Zahl unterschiedlichster Tasten-Instrumente setzen „Mannsverk“ ein musikalisches Sahnehäubchen auf.
Dem Sahnehäubchen steht allerdings eine ziemlich schwache, schwammig wirkende Produktion entgegen, die einen manchmal an die Zeiten erinnert, in denen man auf seine neu erworbene LP vorsichtig den Saphir aufsetzte und es von Anfang an etwas raschelte und unangenehme Nebengeräusche erzeugt wurden, die Höhen unterdrückten und wirklich guten Stereo-Klang nicht zuließen. Ein extremes Manko für eine insgesamt musikalisch so gelungene CD, die alle Herzen der Freunde progressiven Retro-Rocks höher schlagen lassen müsste. Vielleicht hätten die Norweger doch ihren Song „The Giant Fire“, eine zerbrechliche, an PETER HAMMILL erinnernde Ballade, nicht ganz so ernst nehmen und es an allen Ecken und Enden des Albums verrauscht knistern lassen sollen.
FAZIT: Das vierte Album von BRIMSTONE wäre ein kleines progressives Retro-Meisterwerk geworden, wenn es nicht auf einem Equipment in den heimischen Studios produziert worden wäre, welches einen zu sehr an die frühen Aufnahmen unserer Prog-Dinos erinnert, als uns deren LPs noch Herzdrücken bescherten, weil der nur mittelmäßige Klang im krassen Gegensatz zur hervorragenden Musik der Prog-Protagonisten stand.
Punkte: 9/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 24.04.2014
Truls Eriksen
Øyvind Grønner, R. Edwards
R. Edwards
Øyvind Grønner
Thomas Grønner
Karisma Records
54:43
24.03.2014