Deutschlands Antwort auf SONIC SYNDICATE und Co. tut mit ihrem neuen Album vermutlich das Schlimmste, was sie machen kann: Sie ist egal, statt noch greller als mit Haddaway-Coverversionen zu provozieren.
Übrig bleiben Stakkato-Nichtigkeiten mit poppigen Singsangs ("Going Under", The Beginning) oder von Disco-Keyboards ("Revelation", "Infected Nightmare") geprägte Riff-Attacken - beides irgendwie das Gleiche, nicht wahr? -, deren Verschränkung scheinbar apokalyptischer Lyrics mit heiterem Unfug ("We Wanna Party") sich einfach nicht erschließen möchte. Für das Highspeed-Geschoss "Crushing Down" möchte man IN FLAMES verfluchen, denn verinnerlicht man deren Oeuvre oberflächlich (oder nimmt sich ihre neueren Ergüsse zu herzen), kommt ein solches Setzkasten-Stück heraus. Ein bisschen handelsüblicher Modern Thrash und selbstverständlich eine klaglos vor allem in Sachen Drums aufgeblasene Produktion machen das Bild eines gleich wieder vergessenen Spartenproduktes komplett.
Die größten Fragwürdigkeiten indes: "Sons Of The Second" (SLIPKNOT-Sprechgesang trifft auf Dumpfbacken-Eurodance-Metal?), die Pathos-Ballade "Peace Of Mind" und "Drowning In Hate" (Metalcore trägt Gothic-Kajal auf?)
FAZIT: Mit ihrer sechsten Scheibe haben die Münchner EMERGENCY GATE eine wunderbare Klangtapete für eine diesen Sommer tanzende Generation geschaffen, die spätestens im Winter vergessen sein wird. Vielleicht wird man Schreihälse mit Crooner-Ambitionen und durch dicke Produktionen entschuldigte Einfallslosigkeit irgendwann einmal genauso belächeln wie den Fun-Rap-Rock der Neunziger. Und jetzt alle: "We drop the beats, and all the ladies drop their pants ..."
Punkte: 2/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 24.09.2014
Mario Lochert
Matthias Kupka
Vlad Doose, Udo Simon
Daniel Schmidle
Roman Lutz
Fastball / Soulfood
39:04
26.09.2014