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Mystery: Tales Form The Netherlands

Stil: Progressive Rock

Cover: Mystery: Tales Form The Netherlands

Was man wohl daheim im stolzen Québec darüber sagen wird, dass die eigenen Söhne im Ausland fremdgegangen sind, um diesen Live-Doppeldecker aufzunehmen? Egal, auch und gerade in den Niederlanden, bekanntermaßen einer der weltweiten Hochburgen für Progressive Rock, funktioniert MYSTERYs sphärischer Stil, dem man seine kanadische Herkunft anhört (Stichwort RUSH der Achtziger), sehr gut auf der Bühne, obwohl ...

... so richtig Konzertstimmung erweckt die Gruppe beziehungsweise ihre Produktion in diesem Fall nicht. "Tales From The Netherlands" klingt piekfein, wenn auch eindeutig live, bloß sind die Musiker so distanziert, wie sich das Publikum zurückhält, aber egal: Die meistens epischen Songs von MYSTERY bedürfen auch keiner Mitsingspiele oder ähnlicher Abgeschmacktheiten. Der Fokus im Programm liegt beim zur Zeit der Mitschnitte aktuellen Teller "The World Is A Game", aber auch die Vorgänger "Beneath The Veil Of Winter's Face" und "One Among The Living" (besonders empfehlenswert übrigens) kommen zum Zug. Schließlich handelt es sich ob bewusst oder nicht um den Abgesang von Benoît David, der MYSTERY 2013 den Rücken kehrte.

"As I Am" ist auf alle Fälle ein stimmig eingängiger Einstieg, wobei sich im weiteren Verlauf der Zusammenstellung zeigt, wie intelligent die Gruppe ihr Programm aufgezogen hat, denn eine konstant angezogene Spannungsschraube mit einstweiliger Lockerung ist nicht zu überhören. Dabei stehen etwa der kompakte Groover "The Preacher's Fall" dem AOR-lastigen Sonnenschein "Sailing On A Wing" und das dramtische wie warme "Another Day" dem mit seinen kühlen Samples bedrückenden "Pride" gegenüber, ehe der zehnminüte Ohrwurm (jawohl) "Travel To The Night" mit seinen zahlreichen satten Heavy-Parts die Stimmung zum Ende hin aufheizt (das Publikum klatscht sogar mit, Sachen gibt's ...).

Das schwerfällige 22-Minuten-Monstrum "Through Different Eyes" mit seinem knackigen Mittelteil stellt einen naheliegenden Höhepunkt im Set dar, aber diese Doppel-CD beweist vor allem eines: Wenn Prog-Musiker keinen Stock im Arsch haben, erwacht solche fein austarierte Musik auf der Bühne zu echtem Rock-Leben - auch wenn man wie gesagt keine krachschlagenden Zuschauer hört ... muss aber sowieso nicht sein. Das minimalistisch hübsche Digipak mit Booklet sei noch gesondert hervorgehoben.

FAZIT: Überdurchschnittliche gute Live-Scheibe einer im Studio wesentlich distanzierter wirkenden Band. MYSTERY würde man gerne auch hierzulande sehen. Night Of The Prog?

Erschienen auf www.musikreviews.de am 03.12.2014

Tracklist

  1. Intro: Unveil The Mystery
  2. As I Am
  3. Dear Someone
  4. Sailing On A Wing
  5. Wolf
  6. Another Day
  7. Pride
  8. Through Different Eyes
  9. Time Goes By
  10. Travel To The Night
  11. The Preacher's Fall
  12. Between Love And Hate

Besetzung

  • Bass

    François Fournier

  • Gesang

    Benoît David

  • Gitarre

    Michel St-Père, Sylvain Moineau

  • Keys

    Benoît Dupuis

  • Schlagzeug

    Jean-Sébastien Goyette

Sonstiges

  • Label

    Unicorn Digital / Just For Kicks

  • Spieldauer

    44:11 + 63:34

  • Erscheinungsdatum

    28.11.2014

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