Nach Nietzsche zur absoluten Freiheit. Zumindest wenn man RPWL folgt, handelt „Wanted“ doch von einem Elixier, gebraut vom Oheim der Medizin, Hippokrates, das „den Geist in eine reale absolute Welt führt, frei von allen Illusionen und unsichtbaren Geisterwelten“. RPWL möchten dieses Gebräu höchstselbst (zumindest in der erzählten Gesichte) in homöopathischen Dosen unters Volk bringen. Das gefällt den Kirchen, Sekten und allen anderen Organisationen, die das freie Denken unterdrücken, natürlich nicht und so werden RPWL zu gejagten Desperados. Kurz „Wanted“.
Ob die artikulierte „absolute Freiheit“ tatsächlich ein Geschenk ist oder eher ein Fluch („Freiheit ist das neue Gefängnis“ singt zumindest SOPHIE HUNGER sehr hintersinnig) sei mal dahingestellt, interessant ist, dass der Progressive-/Art-Rock in den letzten Jahr sehr kritisch mit unserer Gesellschaft und insbesondere dem desaströsen Wirken der (Welt)-Religionen (und kleinerer Sekten) ins Gericht geht. RPWL reihen sich ein in die Phalanx engagierter Bands wie SEVEN STEPS TO THE GREEN DOOR oder NEVERDREAM, die Zivilisations- und Religionskritik zum Konzept gewählt haben. Die Zeit der kleinen Fluchten ist vorbei. Manchmal.
Musikalisch steht keine Revolution an. RPWL sind mittlerweile eine eigenständige Marke, die behutsam weiterentwickelt wird. „Wanted“ ist zwingender und druckvoller geworden als der Vorgänger „Beyond Man And Time“. Das relativ harte Instrumental zur Eröffnung erinnert vage an VAST und lässt den Geist PINK FLOYDs, der sich später etwas stärker zeigt („Misguided Thought“), ohne mehr als eine satte Anregung zu werden, bestenfalls in den Geräuscheffekten sichtbar werden. Der Begriff „Härte“ ist im Zusammenhang mit RPWL natürlich relativ zu sehen. Es wird wohl lauter und ein bisschen krachig, aber nie metallisch oder gar strukturell destruktiv. Dafür ist die Freisinger Band viel zu melodienverliebt. Da sie ihr Metier aber beherrschen, gleitet die Musik kaum in allzu süßliche Zuckerwatteparadiese ab.
Wie üblich gibt es die (gekonnte) Synthie-Hommage an MANFRED MANN („Sword And Guns“), eher unüblich sind Ausflüge Richtung Elektro-Pop („Perfect Day“) und vor allem Alternative Rock. Eines der Highlights bietet der Titelsong mit seinen funkig flirrenden Gitarren im Hintergrund, die ihm eine ganz eigene, mitreißende Atmosphäre verleihen. Das ist wohl austariert, gelegentlich ein bisschen zu schön, hält den Spannungsbogen aber über die gesamte Laufzeit erfreulich hoch. Und sorgt zudem mit kleinen Ausreißern für ein Extra-Quäntchen Hörvergnügen.
FAZIT: RPWL bleiben Qualitätsgaranten. „Wanted“ setzt die Diskographie mit sachten, gelungenen Veränderungen bestrickend fort. Erst etwas unspektakulär, wächst das Album mit jedem Hördurchgang. Einen Sonderpunkt gibt es für das engagierte Konzept, dem man zwar nicht komplett folgen muss, das in seinem Bedürfnis, institutioneller Vermessenheit und Menschenverachtung den Kampf anzusagen, diskussions- und höchst anerkennenswert ist.
Wie es sich für (Klang)-Perfektionisten ziemt, wird „Wanted“ auch als Doppel-LP sowie in der Limited Edition im 5.1-Surround-Sound erscheinen. Der Besprechung lag die „einfache“ Promo-CD zugrunde.
Punkte: 12/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 20.03.2014
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14.03.2014