In einer Rezension im 'Classic Rock Net' stand zu lesen, dass in diesen Zeiten der „rundgelutschten Super-Pseudo-Soul-Stimmchen“, die Casting-Shows übervölkern (man sieht gleich die bemüht zitternden Lippen bildgewaltig vor sich. Das verfluchte Erbe der WHITNEY HOUSTON), das „quäkende Reibeisenorgan“ ROGER CHAPMANs eine wahre Wohltat sei. Sehr treffend gesprochen. Selbst, wenn man in Betracht zieht, dass es sich bei „Peaceology“ um das überarbeitete und songmäßig veränderte „One More Time For Peace“-Album von 2007 handelt.
„The Same Old Loving You” ist rausgeflogen, dafür wurde die Trackliste um den starken Opener mit deftiger Akustik-Gitarrenbegleitung „The Same Old Loving You“, den bluesigen „Ez Train“ und die berückende Ballade „The Only Rose” geschmack- und stilvoll erweitert. Der 72-jährige „CHAPPO“ ist ruhiger geworden, beziehungsweise seine Songs sind es. Und das steht dem Sänger gut. Sein röhrendes, immer etwas heißer klingendes Organ – ähnlich und trotzdem ganz anders gelagert als die Stimme des gerade verstorbenen großen Kollegen JOE COCKER – passt exzellent zur gemäßigten Gangart des Albums, gibt selbst Stücken, die zumindest in Teilen von den DIRE STRAITS stammen könnten („All Too Soon“, „The Only Rose“), einen wuchtigen Schub.
Dabei begeht CHAPMAN nicht den Fehler, die ruhigen Songs in Grund und Boden zu singen. Er lässt sich und seinen Begleitern den nötigen Raum zur Entfaltung im Spannungsfeld zwischen bodenständigem Rock, zurückhaltendem Folk und rollendem Blues. Selbst der inoffiziellen britischen Nationalhymne „Jerusalem“ gewinnt er neue und ansprechende Seiten ab. So changiert CHAPMAN zwischen Balladen, die nie allzu glatt und knödelig werden sowie gestandenen Midtempo-Rockern gekonnt hin und her, lässt Country-, Folk- und Soul einfließen, ist gelegentlich etwas zu verliebt in nicht allzu komplexe Refrains, und verleugnet nie seine FAMILY-Blues-Rock-Geschichte. So kann er gerne weitermachen. Gerne mit neuen Stücken.
FAZIT: Formidables Alterswerk, mit nur wenigen Schwächen, in dem einmal mehr die Kraft aus langjährigen Erfahrungen gezogen wird. Auch wenn es sich „nur“ um die Neueinspielung eines bereits gelungenen Albums handelt, ist „Peaceology“ als alternative Interpretation und eigenständiges Produkt eine hörenswerte Veröffentlichung.
Punkte: 11/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 23.12.2014
Tim Harries, Geoff Whitehorn
Roger Chapman, Bobby Tench, Jim Creegan, Steve Simpson, Sonny Spider
Jim Creegan, Steve Simpson, Micky Moody, Geoff Whitehorn
Paul Hirsh, Ian Gibbons, Max Middleton, Roger Cotton
Henry Spinetti
Jim Creegan (programming), Steve Simpson (mandolin, fiddle), Sonny Spider (harmonica)
Hypertension Music/Soulfood
60:26
12.12.2014