Es gibt Bands, die nehmen Alben auf, die sind einfach nett. Die kann man sich prima (nebenbei) anhören, die nerven nicht, die geben wenig echten Anlass zur Kritik, aber die auch nicht so richtig durchzünden oder gar begeistern. "Drunk On Revolution" von der Osnabrücker Formation ROZENCRANTZ ist so ein nettes Album - nett aber in dem Sinne, dass es nicht die kleine Schwester von scheiße ist.
Der Sound der Band soll auf dem neuen Album zugänglicher und insgesamt etwas ruhiger sein, als zuvor - mangels Kenntnis der Vorgängerscheiben kann das nicht überprüft werden. Los geht es jedoch mit dem Titeltrack, der beinahe schon punkig roh daher kommt. Das folgende "Blue Mountain River" ist dagegen schon gediegener, ein schönes, eingängiges Lied, an dem es eigentlich nichts auszusetzen gibt. Ein Hit geht aber auch anders. "Son Of A Prophet" ist flott und mit melancholischem Riff ausgestattet und auch "Firebreak" baut auf schwermütige Stimmung, ist dabei auch klar andächtiger ausgefallen. Balladesker geht es in "Into Silence" zu und nach fünf Songs ist auch langsam klar, wo das Problem bei ROZENCRANTZ liegt. Es fehlen einfach die großen Refrains, die Hooklines, die Songs aus dem Mittelmaß auf ein höheres Level hieven.
So geht es dann auch in der zweiten Albumhälfte weiter. Mal kräftiger rockend, mal sanftere Töne anschlagend, überzeugend gespielt und ordentlich gesungen. Ob man - wie Kollege Popp im Review zum Vorgängeralbum - der Band aufgrund der Gesamtumstände nun das Verbreiten von Langeweile und das Anrühren von Einheitsbrei vorwerfen kann, sei dahingestellt. Über gehobenes Mittelmaß kommt "Drunk On Revolution" im Ergebnis aber eben nicht hinaus. Positiv hervorzuheben sei jedoch noch, dass die Band nahezu komplett ohne das Bemühen von (Gothic-)Klischees auskommt und dadurch durchaus authentisch rüberkommt.
FAZIT: Wenn man mehr Wert darauf legt, dass eine Band ihre Musik kompetent spielt und wenig Bohei um sich selbst macht oder sich irgendwelchen Szenen anbiedert und melancholische Rockmusik mag, kann man sich ruhig mal mit ROZENCRANTZ befassen.
Punkte: 8/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 28.11.2014
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31.10.2014