Dritte Scheibe für Ryan McGarvey, der seinem Namen zum Trotz aus den Vereinigten Staaten stammt und dementsprechend nicht britisch bluest. "The Road Chosen" bietet deshalb erwartbar Südstaaten-lastigen Sound, dies allerdings vielmehr rockig als eventuell mit Country kokettierend.
Schon die Single "Memphis" als Einstieg wartet mit einem saftig angezerrten Ton und schweren Groove auf, wozu die raue Stimme des Gitarristen trefflich passt. Garvey schreibt sehr songorientiert, statt sich in ellenlangen Improvisationen zu ergehen (abartig virtuos hingegen: "Firework Eyes"), kommt aber sehr selten mainstreamig daher (die Ballade "My Heart To You" und das ebenfalls zarte "Burnin' Alive"), weil seine Kompositionen eben Ecken und Kanten besitzen, nicht zuletzt in Gestalt der Texte.
Beeindruckend bis originell sind auch die Arrangement-Kniffe, derer sich der Künstler behilft. So verblüfft "Little Red Riding Hood" mit schwebenden wie feisten Sektionen sowie der Hammond-Schmatzer "Goodbye Blues" mit Coco Montoyas und W.C. Clarks Tastenmann Brant Leeper (ebenso straight wie "Mean Thing", nur eben anders), nicht zu vergessen der teils aufbegehrende Akustik-Rocker "Always And Forever".
FAZIT: Breitbeinige Riffs, aber kein Proletentum, ausdrucksvolle Soli, aber nicht zum Selbstzweck - Ryan McGarvey erweist sich mit "The Road Chosen" als superber Blues-Mann mit Fingerspitzengefühl und aufbegehrender Note, ohne kommerziellem Potenzial eine kategorische Absage zu erteilen. In dieser Hinsicht steht er etwa dem guten Kenny Wayne S. sehr nahe.
Punkte: 10/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 13.12.2014
Sam Miller
Ryan McGarvey
Ryan McGarvey
Brant Leeper
Logan Miles
Forward In Reverse / Just For Kicks
42:48
19.12.2014