Die Speerspitze des Speed Metal-Revivals ist zurück: SKULL FIST legen mit "Chasing the Dream" den Nachfolger ihres Debüts "Head öf the Pack" (2011) vor. Geändert hat sich nichts, und genauso soll es sein. Hätten SKULL FIST Bock auf Experimente, gäbe es die Band nicht. Hier geht es nicht bloß um die Musik, sondern auch um ein Gefühl. Solange es SKULL FIST also gelingt, wie aus den 80ern zu klingen, haben sie schon halb gewonnen.
Gleich im ersten Track werden alle Stärken und Schwächen des Albums deutlich. "Chasing the Dream" hallt und rumpelt wie 1983 und kommt trotzdem mit einem ganz zeitgenössischen Druck daher. Das Schlagzeug ballert, die Gitarren jaulen. Geil, geil, geil. Bis dann nach 30 Sekunden Jackie Slaughters Gesang einsetzt und dem Song jegliche Kraft nimmt. Die Stimme von dem Typen will einfach nicht zum Rest des Sounds passen. Die Instrumentierung ist über jeden Zweifel erhaben, der reinste Genuss. Aber Jackie klingt so kraftlos wie ein Reh.
Nein, er ist kein schlechter Sänger. Er trifft die Töne. Aber er kommt nicht gegen seine eigenen irren Leads an. Je höher er singt, desto größer und störender wird der Gegensatz zwischen seinem dünnen Stimmchen und dem Rest der Musik. Umgekehrt wird es besser, je tiefer er runtergeht. Das Problem ist nicht neu, auf "Head öf the Pack" war es genau so. Auch, dass es den Refrains an Durchschlagskraft mangelt. Jackie Slaughter zieht die Töne besonders lang, und das muss dann als Refrain reichen. So klingen die Songs alle ungefähr gleich, es gibt keine Höhepunkte, zu denen man gerne zurückkehrt – abgesehen von den Gitarrenspielereien. Aber auch die sind weniger spektakulär als noch vor drei Jahren.
"Head öf the Pack" hatte immerhin noch einige halbe Hits ("Get Fisted", "Cold Night", "No False Metal"), wenn auch nichts für die Ewigkeit dabei war. Weil auf "Chasing the Dream" kein einziger Song einprägsam ist und zudem noch der Neuigkeitswert fehlt, kommt ziemlich schnell Langeweile auf. Die Band braucht dringend einen Sänger und Songwriter, der in der Lage ist, mit dem Rest der Band mitzuhalten. Es ist aber unwahrscheinlich, dass Alpha-Tier Slaughter den Platz freimacht und sich auf sein Gitarrenspiel konzentriert. Schließlich hat er die Band gegründet und fast im Alleingang durch bald 8 Jahre gebracht.
FAZIT: Durch und durch unspektakulärer Zweitling der Oldschool-Verehrer. Lieber mal wieder einen der Klassiker auflegen, von denen die Kanadier sich inspirieren lassen: HELLOWEEN, JUDAS PRIEST, ACCEPT, RIOT, es gibt genug.
Punkte: 9/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 03.01.2014
Casey Slade
Jackie Slaughter
Jonny Nesta, Jackie Slaughter
Chris Steve
NoiseArt Records
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14.01.2014