Es ist schon eine beeindruckende Entwicklung, welche die englische Neo-Folk-Band im Verlaufe ihrer 27-jährigen Bandgeschichte durchlaufen hat. Der ehemalige stramme Kommunist, aber auch Naziverehrer TONY WAKEFORD, der die Gründung von SOL INVICTUS zugleich nutzte, um sein Hirn vom links- und rechtsextremen Gedankenmüll zu säubern, aber auch die Vergangenheit seiner Vorgängerformation DEATH IN JUNE wiederzubeleben, ist sicher sehr streitbar. Genauso streitbar wie die Musik, die SOL INVICTUS bereits auf 18 Alben veröffentlichte. Natürlich ist sehr viel Dark Folk der Marke DEATH IN JUNE darin zu entdecken, aber neuerdings auch jede Menge psychedelische und progressiv rockende Momente. Mehr als gewöhnungsbedürftig ist daran nach wie vor der Gesang, wenn man ihn überhaupt so bezeichnen kann. Sprechgesang, der nicht immer jeden Ton trifft, wäre wohl zutreffender.
„Once Upon A Time“ erzählt uns trotz seines Titels garantiert keine Märchen, sondern wartet mit stellenweise zynischen, verbitterten Texten auf, die kein „Und wenn sie nicht gestorben sind, dann ...“ zulassen. Musikalischer Zweckpessimismus vertont mit ebenso pessimistischen Bässen, breiten Keyboardflächen und düster schrammelnden Gitarren bilden das musikalische Grundgerüst des neusten 2014er SOL INVICTUS-Outputs. Überall scheinen Gewitterwolken aufzuziehen, doch von der Sol (lat. für Sonne) des Bandnamens ist in den gut 50 Musik-Minuten nichts zu entdecken. Das ganze Album erscheint als ein einziger „War“, auch wenn nur ein Song darauf diesen Titel trägt.
Nur in „Austin“ geht mal kurz in Form von akustischen Gitarren und einer schönen Melodie die Sonne auf. Ganz besonders angenehm wirkt auch, dass der Titel rein instrumental ist und der für den Hörer auf Dauer sehr anstrengende Gesang fehlt. Diese drei Minuten sind Balsam für die Ohren. Auch „Osman“ knüpft mit der Akustischen an diesen Stil an. Wenn da nicht plötzlich wieder der schrecklich schräge Gesang, der diesmal an einen Opernsänger im Stimmbruch erinnert, auftauchen würde. Mit „Spare“ verabschiedet sich dann „Once Upon A Time“ doch recht versöhnlich. Akustische Gitarre, eine sich ständig wiederholende, aber schöne Melodie - und vor allem kein Gesang.
FAZIT: Wenn TONY WAKEFORD sich mehr auf seine instrumentalen Begabungen und weniger seine vokaltechnischen Fähigkeiten verlassen würde, dann könnte man regelrecht Freude beim Hören dieses Albums empfinden. Mehr Akustik, mehr Prog, mehr Psyche - aber bitte deutlich weniger Dark- & Neo-Folk sowie Gesang! Das wäre wirklich ein radikaler Wandel hin zum Besseren!
Punkte: 7/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 20.10.2014
Tony Wakeford, Caroline Jago
Tony Wakeford
Tony Wakeford
Tony Wakeford, Reeve Malka
Lesley Malone, Reeve Malka
Renée Rosen & Eilish McCraken (Violinen), Guy Harries (Flöte)
Eigenvertrieb
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26.09.2014