Es gibt nur wenige Bands, bei denen „künstlerische Voraussetzung“ und „kommerzieller Ertrag“ so weit auseinander klaffen wie im Falle STEEL PROPHET. Zwischen 1995 und 2001 veröffentlichten die „Erfinder“ des Terminus „Progressive Power Metal“ sechs Alben, die in die Sammlung eines jeden qualitätsbewussten Heavy-Metal-Fan gehören. Trotz Perlen in der Diskographie wie „The Goddess Principle“ oder „Dark Hallucinations“ hat sich für die Band von Gitarrist und Kopf Steve Kachinsky niemals auch nur annähernd ein Erfolg eingestellt, der angemessen gewesen wäre.
Das ist die eine Seite. Die andere Seite: Unfassbar unprofessionelles Verhalten, denkbar schlechtes Timing und immer wieder wechselnde Bandkonstellationen verhinderten den Aufstieg STEEL PROPHETs in die Bel Etage des Metalzirkus‘. So brauchte man von Bandgründung bis zum Release des Debüts schlappe zehn Jahre – eine Zeit, in der sich der Musikgeschmack dramatisch zu Lasten des traditionellen Heavy Metal gewandelt hatte. Nach etlichen Besetzungswechseln war man zuletzt viele Jahre inaktiv. Und obwohl Sänger und Aushängeschild Rick Mythiasin bereits seit 2007 wieder an Bord ist, obwohl bereits 2011 acht Songs fertig geschrieben waren, dauerte es bis 2014, ehe „Omniscient“ das Licht der Welt erblicken kann.
Und – anders als in der Zeit zwischen 1995 und 2001 – ruft das Veröffentlichte keine bedingungslosen Jubelstürme nach sich. Zwar sind die Grundelemente des STEEL-PROPHET-Sounds immer noch vorhanden – rasantes Drumming, teilweise komplexe Arrangements, pfeilschnelle Riffs und die markante Stimme von Sänger Rick Mythiasin, die quasi eine speedmetallisierte Version von FAZES WARNING ergeben – doch in der Summe stehen auf „Omniscient“ zu wenige herausragende Songs. Manches bleibt ohne Durchschlagskraft, auch, weil dem Sänger im Laufe der Jahre die hohen Töne ausgegangen zu sein scheinen und seine Stimme grundsätzlich ein wenig Energie verloren hat. Die Songs an sich zeigen sich zu häufig orientierungslos und bar eines roten Fadens. Bestes Beispiel: „666 Is Everywhere“, das zwar einen ganz interessanten Songaufbau besitzt und in den Strophen durchaus Qualitäten besitzt, durch einen albern-platten Refrain aber in die Rubrik „unfreiwillig (?) komisch“ oder „Selbstpersiflage“ gehört. „Oleander Deux“, die unter Strom gesetzte Version des „Book Of The Dead“-Akustiktracks „Oleander“ hinterlässt ebenso Fragezeichen, und auch an manch anderer Stelle des Albums will sich das gewohnte wohlige Gefühl beim Hören eines STEEL-PROPHET-Riffgewitters nicht einstellen. Dass unterm Strich die wenig innovative und recht nahe am Original gehaltene Coverversion von „Bohemian Rhapsody“ das Highlight des Albums ist, sagt eine ganze Menge aus. Leider.
FAZIT: Schön, dass STEEL PROPHET wieder aktiv sind. Doch mehr als eine Band, die auf der Bühne ihre zahlreichen Klassiker zu Gehör bringt, scheint dabei nicht herauszuspringen. Und zum Thema „wechselnde Bandkonstellationen“: Die Formation, die „Omniscient“ eingespielt hat, ist zu 2/5 auch schon wieder Geschichte. Some things never change…
Punkte: 9/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 30.06.2014
Vince Dennis
Rick Mythiasin
Steve Kachinsky, Chris Schleyer
Jimmy Schultz
Cruz Del Sur
62:35
04.07.2014