So, nach "The Matriarch And The Wrong Kind Of Flowers" und "Didymoi Dreams" gibt es erstmals eine konventionelle Note für eines der Projekte von Stian Westerhus - nicht etwa wegen seiner Konventionalität, sondern weil der Norweger das Kunststück schafft, revolutionär neue, dabei überraschend wohlklingende Sounds mit ... jawohl, praktisch konventionellen Hörgewohnheiten zu vereinen, ohne auch nur einmal auf Althergebrachtes zurückzugreifen.
Mit Organist Moen von JAGA JAZZIST (auch an der Seite von Susanne Sundfør zu hören) hat er einen ebenso rebellischen Lärmpartner an der Seite, während Dahlen nahezu unfassbare Klanggeber für die Rhythmik, ein Zischen und Bimmeln einreicht, obwohl "Maelstrom" zu keinem Moment aufreibt, auch wenn man sich an einstweiligen Leiergesang und "Bed On Fire", das zuerst minimalistisch zart, dann kratzig daherkommt, gewöhnen muss.
Die flächigen Stücke "Nights And Sleepless Days" und "Times Like These" hingegen betören umgehend, haben etwas von kaputter Neuromantik, die auch beim sich dramatisch aufschwingenden "Don´t Say That You Care" anklingt und mit dem träumerischen Wave "Coming Back For More" ihren Höhepunkt findet. Die Postrock-Dekonstruktion "Chasing Hills" schließlich sei als Startpunkt einer Klangreise empfohlen, die wie seit Jahren nicht mehr ein echtes Abenteuer darstellt. Bravo!
FAZIT: Stian Westerhus und PALE HORSES haben trotz aller Experimentierfreude mit "Maelstrom" einen wahrlichen Strudel emotionaler und zugleich neuartiger Musik geschaffen, die jeden Alles-gehört-haben-Woller eines Besseren belehrt und als Messlatte für zukünftige Generationen gewollt zeitgenössicher Künstler dient.
Punkte: 13/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 28.04.2014
Stian Westerhus
Stian Westerhus
Øystein Moen
Erland Dahlen
Rune Grammofon
53:13
28.03.2014