LITTLE ATLAS' Gitarrist Roy Strattman nähert sich auf diesem Soloalbum dezent dem progressiven Metal an, auch wenn das Fundament weiterhin Art Rock bleibt, wie man ihn von seiner Hauptband gewohnt ist. Der Grundcharakter der Stücke auf "The Lie Of The Beholder" ist dem düsteren Titel gemäß ein verdrossener und gemahnt zuallererst (wieder einmal) an die späteren PORCUPINE TREE.
Hinzu kommt die Phrasierung und klangliche Einbettung der Stimme innerhalb der druckvollen Produktion, die Steven Wilson ähnlich sieht. Dies sei Strattman insofern verziehen, als er vor einem solchen Hintergrund ein paar richtig gute Songs verfasst hat und gar nicht so tut, als müsse er ausschweifendes Gekünstel auf Platte pressen. Songwriting wird also meistens groß geschrieben.
Das satte "A Better World", das harsche "A Candle In The Sun" mit fiebrig Bass-orientiertem Groove und das ungleich luftigere FLOYD-Tributstück "Solace" neben der BEATLES-Koketterie "Connection Lost", der verschlungene Pfad "Jaded" und das relativ geradlinig ausgerichtete Titelstück - sie alle überzeugen produktionstechnisch, handwerklich (Nick D'Virgilio an den Drums, einer der sträflich unterschätzten Musiker der Szene und darüber hinaus) und schreiberisch, wobei die Seele erhalten bleibt ... was angesichts der unheilvollen bis niedergeschlagenen Lyrik ("The Fire Dies" gewährt am Ende einen Lichtblick) auch so sein sollte, um nicht lächerlich zu wirken.
FAZIT: Roy Strattman hat sich hierfür erfrischenderweise vom possierlichen Schönklang und der narzisstischen Innerlichkeit mancher Genre-Kollegen distanziert, was zu einem Song-starken Album führte, dessen einstweilige "Schroffheit" der Prog-Klientel im Gros zu derbe sein dürfte, aber für ein trotz offensichtlicher Heldenverehrung recht eigenständiges Hörvergnügen sorgt.
Punkte: 10/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 09.07.2014
Ricardo Bigai
Roy Strattman
Roy Strattman
Roy Strattman, Steve Katsikas
Nick D'Virgilio
10T
56:12
04.07.2014