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Blues Pills: Blues Pills Live

Stil: Psychedelic Hard Rock

Cover: Blues Pills: Blues Pills Live

Wie erwartet sind BLUES PILLS durch die Decke gegangen. Die Hallen werden größer und verkaufen sich trotzdem aus und auch die Festivalshows werden zahlreicher. Im kommenden Sommer stehen sie unter anderem bei Rock am Ring/Rock im Park auf der Bühne und sind damit auch für das Mainstream-Publikum erreichbar. Doch die internationale Kombo weiß, wo sie herkommt und lässt es sich daher nicht nehmen trotz vollem Wochenende (auch das Out & Loud steht am ersten Juni-Wochenende auf dem Programm) einen ganz besonderen Gig zu spielen.

Das Freak Valley ist zwar ein vergleichsweise kleines Festival, dafür aber DIE deutsche Adresse für alle Doom-, Stoner und Psychedelic-Jünger. Hier zu headlinen ist also eine besondere Ehre, das im Jahr darauf wiederholen zu dürfen so etwas wie ein Ritterschlag. Die Veranstalter haben sich mit dieser Buchung 2014 etwas aus dem Fenster gelehnt, 2015 dürfen sie sich der Schulterklopfer sicher sein. Und als wenn das noch nicht genug wäre, wurde der Bestätigung gleich noch die Ankündigung des ersten, limitierten BLUES PILLS-Live-Albums angefügt, aufgenommen natürlich beim letztjährigen Festivalgig in Netphen-Deuz, damit sich (zumindest in der digitalen Version) jeder selbst ein Bild von einem magischen Abend machen kann, an dem wirklich alles gepasst hat.

Das beginnt mit der Ansage der Band durch den Veranstalter (der sich im Übrigen für den Bandnamen verantwortlich zeichnet), so wie man sie aus den Konzertmitschnitten der 70er- und 80er-Jahre kennt. Durch dieses Detail um 30 bis 40 Jahre zurückversetzt, entfacht die Band ein Psychedelic-Rock-Set, das nicht nur von Talent, sondern zweifellos von Können zeugt. Für eine so junge Band, die zum Zeitpunkt des vorliegenden Konzerts ihr Debütalbum noch gar nicht veröffentlicht hatte, ist es demnach mehr als erstaunlich, dass dem Zuhörer die knapp einstündige Show im besten Sinne viel zu kurz vorkommt. BLUES PILLS legen bis auf Frontdame Elin Larsson keinen Wert auf audiovisuelle Reize, vielmehr glauben sie an die pure Kraft der Musik.

Es wird gejamt, es wird gerockt, es werden dichte Atmosphären aufgebaut und das alles mündet in einer bemerkenswerten, weil abwechslungsreichen Kurzweile. Ohne Netz und doppelten Boden ist auf das Quartett Verlass, die Performance ist professionell und atemberaubend tight. Beim Material handelt es sich zum einen um die Songs, die auf den bis dahin veröffentlichten EPs zu finden sind und heute in überarbeiteter Form auf dem Debütalbum stehen. ‚Bliss‘ ist beispielsweise die schwedische Version von ‚Jupiter‘ und ‚Devil Man‘ überrascht diejenigen, die BLUES PILLS jetzt erst entdeckt haben mit seinem Gänsehaut-Solo-Intro von Elin.

Andererseits gibt es aber auch die neuen Kompositionen, die mal ungehalten rocken (‚High Class Woman‘), mal balladesk zum Schwelgen einladen (‚No Hope Left For Me‘). Auch was die Musiker angeht, kommt man kaum aus dem Staunen heraus. Der gerade volljährige Gitarrist Dorian Sorriaux beweist sich als einer der besten seiner Zunft, weil er nicht nur die Songs ohne Fehl und Tadel spielen kann, sondern in den vielen Jams auf der Bühne noch viel mehr zeigt. Aufgrund dieser Improvisationsteile verschwindet auch das einzige Probleme des Debütalbums: die zahlreichen (Halb-)Balladen nehmen nicht Überhand. Ohne Zweifel können die Vier also stolz auf das sein, was sie bisher erreicht haben, doch um die elendige Frage, was denn nun folgen soll, kommen sie nicht herum. Hoffentlich ging das alles nicht zu schnell, hoffentlich haben sie noch etwas in petto, denn auf BLUES PILLS will man nicht mehr verzichten.

FAZIT: Das erste BLUES PILLS-Livealbum ist das Zeitzeugnis einer Band, die schon zu Beginn ihrer Karriere beeindruckende Fähigkeiten unter Beweis stellt. Die jungen Musiker wissen, wie man Songs schreibt, sie wissen aber auch wie eine pure Rockshow auszusehen hat beziehungsweise sich anhören muss. Das internationale Quartett hat sich seinen Erfolg redlich verdient und hoffentlich entgehen sie dem Schicksal, das schon vielen Acts den Stempel "verbrannt" aufgedrückt hat.

P.S.: Wer sich die Platte in physischer Form zulegen will, muss sich sputen. Das Album gibt es nur in limitierter Ausführung, dafür aber in den verschiedensten, hochwertigen Editionen von CD-(Deluxe-)Digipack mit dem Artwork auf Leinwand bis hin zu verschiedenfarbigen Vinyl-Ausführungen.

Erschienen auf www.musikreviews.de am 19.03.2015

Tracklist

  1. High Class Woman
  2. Ain't No Change
  3. Bliss
  4. Dig In
  5. Black Smoke
  6. Time Is Now
  7. No Hope Left For Me
  8. Devil Man
  9. Astralplane
  10. Little Sun

Besetzung

  • Bass

    Zack Anderson

  • Gesang

    Elin Larsson

  • Gitarre

    Dorian Sorriaux

  • Schlagzeug

    André Kvarnström

Sonstiges

  • Label

    Nuclear Blast

  • Spieldauer

    58:26

  • Erscheinungsdatum

    20.03.2015

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