Deutschsprachiges Pathos mal wieder … HELDMASCHINEs neues Album erfüllt alle Erwartungen und Klischees der NDH-Schule eingedenk gerollter Rs und einer stimmigen Verschränkung von riffigem Rock mit elektronischen Elementen.
Die Koblenzer dienen sich der Klienetel von RAMMSTEIN bis EISBRECHER an, dies allerdings gekonnt und mit entsprechend eingängigen Stücken. Die Texte der Band lassen weitgehend kalt und sorgen für keinerlei Aufsehen, geschwige denn Empörung aufgrund eventuell provokanter Inhalte. Intelligent dichtet Sänger René aber dennoch meistens ("Wir danken euch" als Selbstbeweihräucherung und Fan-Anbiederung geht aber eigentlich gar nicht) oder vielleicht gerade deswegen, wobei seine Metaphern dankenswerterweise selten zum Abgedroschenen tendieren.
Die Synth-Sounds hingegen muten im Speziellen retrospektiv mit einem Auge auf die 1980er an, während die aggressive Note "Wer einmal lügt" beinahe schon gen Nu Metal schielt. Ferner arbeiten HELDMASCHINE mittelöstliche Stilblüten ein ("Ich will dein Bestes") und überzeugen auch im Metier Ballade halbwegs ("Einmal ist keinmal"), nicht zu vergessen die okaye KRAFTWERK-Interpretation "Die Roboter".
FAZIT: "Lügen" ist NDH-Programmkino ohne Überraschungen und geht voll in Ordnung, bleibt allerdings ein gutes Stück weit hintr den Platzhirschen des Genres zurück. Wer hätte etwas anderes erwartet?
Punkte: 8/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 10.09.2015
Marco Schulte
René Anlauff
Dejan Stankovic, Tobias Kaiser
Dirk Oechsle
MP / Soulfood
60:10
28.08.2015